Erhard Eppler, Dieter Hildebrandt, Niklas Luhmann - Mitglieder der NSDAP ?
Immer wieder tauchen nun in der Presse Berichte über eine NSDAP-Mitgliedschaft prominenter Persönlichkeiten auf.
Während Dieter Hildebrandt erklärt, niemals einen Aufnahmeantrag unterschrieben zu haben, räumt Erhard Eppler ein, mit 16 Jahren in die NSDAP eingetreten zu sein.
Na, das wäre uns als Jugendliche nicht passiert – oder? Wir waren doch viel zu links, um auf eine rechte Ideologie hereinzufallen.
O.k., ich weiß mittlerweile, dass ich mir auf meine/unsere antiautoritären Spät-68er-Aktionen in der Schulzeit nichts einzubilden brauche.
So wie ich nur die unbewusst gespürte Erwartung der Gesellschaft - gegen dieselbe aufzubegehren - erfüllt habe, nur im Zeitgeist mitgeschwommen bin - so erfüllten andere eben die Erwartung ihrer damaligen Zeit.
Zu einer eigenen Anschauung und individuellen Überzeugung zu finden ist schwer - und wenn man eine gefunden hat, macht man sich meist was vor, weil’s eben nur so scheint, als ob. Nicht mehr nur “Kind der Zeit”, sondern “mein eigenes Geschöpf” zu sein, ist anstrengend.
Viele Menschen, nicht nur unter totalitären Regimes, übernehmen bereitwillig die Standpunkte ihrer Umgebung. Oder die bestimmter Opinion-Leaders. Andernfalls würden auch z.B. Markenhypes ja nicht so gut funktionieren. Aufklärung hingegen, würde bedeuten, sich seine eigene Meinung zu bilden. Nicht mehr den Zwängen von Werbung oder eines Zeitgeistes unterworfen zu sein, sondern sein Leben und Denken selbst zu bestimmen.
Im TV hab ich einen Strand irgendwo in China gesehen. Alle laufen hier mit Sonnenschirm rum, keiner will braun werden, weil hell eben gewünscht ist. Von außen betrachtet, ist klar, auf die Idee ist keiner für sich alleine gekommen. Nun frag mal einen vollgebräunten Solariums-Abonnenten im “individuellen” Westen: „Ist das deine eigene Idee und Wunsch, oder trichtert dir das (z.Zt. noch) die Gesellschaft ein“.
Sozialer Gruppendruck oder auch Bequemlichkeit hindern viele, sich zu fragen: “Was ist eigentlich meine Meinung dazu?” Und dann gibt’s eben keine eigene Meinung, sondern es wird das gedacht, was alle denken. Und je fundamentalistischer eine Anschauung vorgebracht wird, desto weniger ist sie meist auf eigenem Mist gewachsen.
Gerne würde ich z.B. so manchen mit guten Argumenten von der drohenden Erderwärmung überzeugen - aber, die sind ja alle schon überzeugte Anhänger.
Und das ist es eben, was mich irritiert: wenn plötzlich alle überzeugt sind, für oder gegen irgendwas. Die an etwas glauben, weil alle es tun. Da gehen bei mir alle Warnlampen an, wenn eine - politisch korrekte - Mehrheit eine gleichgeschaltete Meinung hat.
Denn so kommt es in unfreiwilliger Comic zur zwanghaften Wiederkehr des Verdrängten. In seiner Angst, in überwunden geglaubtes Denken zurückzufallen, betet der Deutsche sicherheitshalber nur das nach, was alle, die damit auf keinen Widerspruch stoßen, von sich geben. Dass er dabei freiwillig selbst die Gleichschaltung der Gedanken wieder auferstehen lässt, nimmt er für sein beruhigendes Eintauchen in die anonyme Masse in Kauf.
Dass das Ganze auch durchaus einen Bezug zur aktuellen Politik - “Kampf der Kulturen“, Palästinakonflikt… - hat, werde ich in einem der nächsten Beiträge, über die Mem-Theorie, schreiben.









