Wie Lidl sein Image aufpolieren wollte und dabei das von drei Mithelfern ramponierte
Zur Vorgeschichte: 2005 war eine Lidl-Filiale in Calw geschlossen worden, nachdem Mitarbeiter dort einen Betriebsrat gegründet hatten. Lidl hatte zwar jeden Zusammenhang zwischen Filialschließung und Betriebsratsgründung bestritten, aber das darauf folgende Medienecho war für den Discounter ein PR-Desaster ohnegleichen.
Im selben Jahr geriet Lidl noch mehrmals in die Schlagzeilen.
In der „Greenpeace-Pestizid-Studie“ waren Rückstände im Warenangebot von Lidl entdeckt worden. Obst und Gemüse waren zum Teil erheblich mit gesundheitsgefährdenden Pestiziden belastet. Der Greenpeace-Ernährungsexperte Manfred Krautter nannte damals bei der Vorstellung der Untersuchung das Treiben der Lebensmittelkette kriminell und eine Gefährdung der Verbrauchergesundheit. Die zahlreichen Skandale, von der Filialschließung in Calw bis zum Pestizidskandal, brachten den Discounter schließlich so in Bedrängnis, dass im Januar 2006 ein Pressesprecher, der PR-Mann Thomas Oberle, eingestellt wurde. Für eine Image-Kampagne wurde ein Budget im zweistelligen Millionen-Euro-Bereich bereitgestellt. Nicht einmal ein halbes Jahr später: das “Greenpeace
Magazin”, eine Publikation der „Greenpeace Media GmbH“ liegt bei Lidl neben Dosen und Waschpulver zum Kauf bereit. Das Heft
kostet fast fünf Euro. Einige Exemplare werden zwar auch per Abo vertrieben, der größte Teil der Auflage jedoch, etwas das die wenigsten wussten, wurde von Lidl abgenommen. Für viele eine äußerst fragwürdige Zusammenarbeit. Angeblich wurden nur wenige der Hefte an Lidl-Kunden weiterverkauft. Stattdessen wanderte der größte Teil in den Altpapiercontainer. Kein positives Bild für Greenpeace.
Aber das Öko-Magazin passt nun mal hervorragend zur neuen Strategie von Lidl. Der Discounter versuchte damit geschickt sein Bild in der Öffentlichkeit aufzupolieren. Die dauernden Vorwürfe der Gewerkschaften, die schlechte Bezahlung der Mitarbeiter, die Betriebsratsgeschichten, Überstunden, verängstigte Mitarbeiter. Lidl braucht ein neues Image. Da kam das Thema Bio und Öko wie gerufen.
In Frühjahr 2007 veröffentlichte das “Greenpeace Magazin” dann seine neueste Pestizidstudie. Diesmal erhielt Lidl Bestnoten…
Greenpeace riskierte langsam seine Glaubwürdigkeit, auch wenn kurz darauf die niedrigen Werte von einem anderen Institut bestätigt wurden.
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Der nächste Coup sollte der Einstieg von Lidl bei dem Handelsunternehmen Basic sein. Basic betreibt bundesweit eine Kette von Bio-Supermärkten. Aber auch dieses Engagement führt nur zu einer weiteren PR-Schlappe. Kunden und Lieferanten von Basic fühlten sich überrumpelt. In der Bio-Branche kam es zu heftigen Protesten gegen den Einstieg der Lidl-Schwarz-Gruppe als Gesellschafter bei Basic. Einige Lieferanten hatten wegen der Kooperation mit Lidl sogar die Geschäftsbeziehungen mit Basic beendet. Attac startete eine Kampagne gegen die Beteiligung von Lidl. Basic-Mitgründer Richard Müller kündigte seinen Ausstieg aus dem Unternehmen Basic an.
Und heute? Nach heftiger Kritik aus der Öffentlichkeit hat Greenpeace inzwischen den Vertrieb des „Greenpeace-Magazins“ über Lidl eingestellt, PR-Mann Thomas Oberle hat Lidl wieder verlassen und Basic hat die Zusammenarbeit mit Lidl beendet …
Was zurückbleibt sind die holprigen Versuche eines Konzerns das Vertrauen der Öffentlichkeit zu gewinnen. Sowie ein Bio-Markt und eine NGO, die mithelfen sollten, das schlechte Image eines Discounters aufzubessern, aber nun ihrerseits an Glaubwürdigkeit verloren haben.
Quellen:
ndr.de
sueddeutsche.de
Schwarzbuch Lidl










Mittwoch 28. November 2007 um 21:50
Das ist ein super Artikel. Ich kenne die Situation schon - besonders den Teil Lidl/Basic, weil der in der Öko-Szene große Wellen geschlagen hat. Eine neue Kollegin von mir kommt von Basic. Umso interessierter haben wir die Geschichte verfolgt.
Die “Greenpeace-Story” kannte ich übrigens gar nicht (…?).