Wie Blogs in den USA künstlich nach oben gepusht werden
In einem Beitrag in der letzten Woche auf TechCrunch wurde beschrieben, mit welchen Maßnahmen Unternehmen ihre virale Video-Werbung künstlich pushen. Der Gastartikel des Experten für virales Marketing, Dan Ackerman Greenberg, stieß dabei auf ein (für einen Feiertag, es war Thanksgiving), ungewöhnlich hohes Echo…
Während es auf anderen großen US-Blogs ruhig zuging, hat es TechCrunch trotz des Feiertags geschafft, auf über 400 Kommentare zu kommen.
Sehr interessant ist dazu nun der Beitrag von Martin Weigert auf zweinull.cc.
Martin Weigert vermutet, dass der TechCrunch Artikel selbst auch mit ähnlichen Methoden gepusht wurde, wie sie dieser Post für virale Filme empfiehlt. Also durch eine künstlich hervorgerufene Kontroverse eine Diskussion auslösen, die für eine Verbreitung sorgen soll.
Martin Weigert schreibt dazu: “Denn was in den Kommentaren zum Artikel (auf TechCrunch) folgt, ist eine handfeste Kontroverse mit unzähligen empörten Nutzern. Als einer der ersten Kommentatoren meldet sich der TechCrunch-Boss Michael Arrington: “I’m disgusted by this”… Man könnte mutmaßen, dass Dan Ackerman Greenberg für die Veröffentlichung des Beitrags bezahlt hat, um sein verlinktes Unternehmen zu bewerben, und dass er und Arrington auf die Idee kamen, durch die “überraschte Reaktion” des TechCruch-Chefs dem Thema zusätzliche Brisanz zu verleihen. Die Wahrscheinlichkeit, dass hinter allem pure Berechnung steckt, halte ich für nicht gering… Ackermann Greenberg hat bewiesen, dass eine lebhafte und über die Stränge schlagende Diskussion nicht nur für die Verbreitung von Videoclips im Netz ein Erfolgsgarant ist, sondern auch für Blogbeiträge.“
Ob Martin Weigert mit seiner Vermutung richtig liegt? Vorstellbar ist es.
Ist es o.k. seinen Blog auch mit solchen Methoden zu pushen?
Was meint ihr dazu?










Mittwoch 28. November 2007 um 12:04
Hat TechCrunch durch diesen Blog-Eintrag wirklich neue Leser gewonnen? Ich glaube nicht. Traffic haben die doch genug, warum sollten sie so leichtfertig ihre Glaubwürdigkeit und Reputation auf’s Spiel setzen?
TechCrunch hätte bei so einer Aktion mehr zu verlieren als zu gewinnen.
Mittwoch 28. November 2007 um 16:42
@Fragezeichner. Auf jeden Fall haben die genug Traffic. Davon kann unsereins nur träumen. Wenn, dann hat die ganze Aktion wahrscheinlich eher die Aufmerksamkeit auf das zur gleichen Zeit verlinkte Unternehmen von Dan Ackerman Greenberg gelenkt. Martin Weigert deutet ja so etwas in seinem Beitrag an.
Martin Oetting (ConnectedMarketing.de) meint übrigens zur gleichen Geschichte auf seinem Blog: “Die Frage ist immer, mit was für PR man Erfolg haben will. Wenn man mit einem starken schlechten Ruf eher arbeiten will, als mit einem weniger starken aber neutralen, dann kann man so was machen.”
Donnerstag 29. November 2007 um 14:14
“Ist es o.k. seinen Blog auch mit solchen Methoden zu pushen?”
Die Frage ist, was man erreichen will: Traffic oder wirkliche Leser. Wenn ich mich an hohen Visit-Zahlen berauschen will, habe ich viele Möglichkeiten. Bleibende, wiederkehrende Leser gewinnt man mit solchen Aktionen wohl kaum.
Zwar bleiben von hohem Traffic, wenn die Inhalte des Blogs interessant sind, auch Dauerleser zurück, aber die Leute, die solche Diskussionen verfolgen, schauen sich vermutlich gar nicht weiter auf dem Blog um. Sie suchen und genießen den Skandal und ziehen weiter.
Der Effekt, die Aufmerksamkeit auf das verlinkte Unternehmen zu lenken und damit die Bekanntheit der Marke zu vergrößern, kann natürlich funktionieren. Ob dem Blogger das auf Dauer eher nützt oder schadet ist natürlich schwer zu sagen. Aber TechCrunch kann sich sicher leisten, das auszuprobieren.
Freitag 30. November 2007 um 10:56
@ Fragezeichner und @ Jörg Friedrich: Sehe das ganz genau so.
Eine Frage bleibt für mich aber noch offen: Ist nicht bereits das dauernde Schielen auf hohe Leserzahlen der Fehler?
Letztlich war doch diese TechCrunch-Aktion von dem Interesse getrieben, mit hohen Leserzahlen die Aufmerksamkeit auf die verlinkte Greenberg-Seite zu lenken.
Beruht der Wille, solche Methoden nicht einzusetzen, mehr auf moralischen oder auf Image Motiven?
Oder wie es “ramses101″ in seinem Kommentar (http://www.werbeblogger.de/2007/11/27/die-sudeltricks-der-viralisten/) zu dem Werbeblogger-Beitrag zum gleichen Thema ausdrückt: “Ich versteh ehrlich gesagt nicht ganz, was an diesen “Enthüllungen” so überraschend sein soll. Es herrschte doch auch hier immer Einigkeit darüber, dass viral nicht aus Versehen passiert, sondern dass man die Techniken kennen muss.”