Von Maxi-Gehältern und Mini-Löhnen

Sind die Manager Gehälter zu hoch? Den Rekord unter den Spitzengehältern hält jetzt Wendelin Wiedeking. 2006 hat der Porsche-Chef mehr als 60 Millionen Euro erhalten! Damit hat er sogar den Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann (13,2 Millionen Euro) überholt. Dieter Zetsche, Chef der DaimlerChrysler AG, kam 2006 auf eine Jahresvergütung von 7,15 Millionen Euro (alle Berechnungen von WELT ONLINE). Die Raffgier in Nadelstreifen ist nicht nur aus sozialen Gründen bedenklich, sie wird auch zum ökonomischen Problem, wenn dadurch die Motivation der Mitarbeiter sinkt.

Viele Menschen haben den Eindruck, die Konzerne gehörten den Managern. Derart ungeniert und freigiebig bedienen sich diese mittlerweile aus der Firmenkasse. Fordern für sich selbst Höchst-Gehälter und für manche Arbeitnehmer Mini-Löhne. Verdient wirklich jeder, was er erhält?

Wie lange hält es eine Gesellschaft aus, wenn die Armut aufgrund von Niedriglöhnen wächst und zugleich immer höhere Spitzengehälter gezahlt werden? Ist eine derart exorbitante Gehaltshöhe wirklich sinnvoll, die realistischerweise gar nicht mehr ausgegeben werden kann? Geht es hier wirklich um eine Anerkennung von erbrachter Leistung oder um ein Statussymbol? Ist es unter sozialen Gesichtspunkten nicht fragwürdig, wenn zur gleichen Zeit mancher Arbeitnehmer von seinem Minilohn gar nicht mehr leben kann? Denn auch in diesem Jahr müssen die Arbeitnehmer wieder einen Reallohnverlust hinnehmen. Die Preisexplosion bei Benzin, Lebensmitteln und Energie kann durch die dürftigen Lohnerhöhungen jedenfalls nicht aufgefangen werden. Viele Untersuchungen zeigen, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander geht. Besteht nicht die Gefahr, dass die immensen Einkommensunterschiede zwischen Managern und Normalverdienern irgendwann den sozialen Frieden gefährden?

Aber - ist es wirklich sinnvoll, dass die Politik mit Gesetzen gegen überzogene Managergehälter vorgeht? So wie dies aktuell einige Politiker in der Diskussion um die Manager-Gehälter gefordert haben. Ist dies nicht einfach nur eine weitere populistische Forderung? Welche Möglichkeiten hat die Politik denn in der Hand? Der Staat kann, ernsthaft betrachtet, Privatunternehmen gar nicht vorschreiben, welche Gehälter diese ihren Angestellten bezahlen. Über derartige Gehälter entscheiden in letzter Konsequenz die Aktionäre der Aktiengesellschaften. Die Vorstandsgehälter sollten nicht mehr im Aufsichtsrat ausgeklüngelt werden, sondern in der Hauptversammlung demokratisch festgelegt werden. Wobei man auch als Kleinaktionär ein Stimmrecht auf der Hauptversammlung hätte…
Aber nicht jeder kann oder will sich Aktien kaufen, um damit Einfluss auf die Geschäfts- und Gehaltspolitik der Konzerne auszuüben, wie dies z.B. die „Kritischen Aktionäre“ vormachen. Ein anderer Weg wäre eine Beteiligung der Arbeitnehmer an dem Ertrag und dem Kapital von Unternehmen, was als „Beteiligung am Produktivvermögen“, Mitarbeiterbeteilung oder Investivlohn immer wieder diskutiert wird. Und die Bezahlung anständiger Löhne, von denen man auch leben kann. Auch über die gesetzliche Regelung der Mindestlöhne sollte unvoreingenommen nachgedacht werden.

Was ist eure Meinung?
Sind diese Managergehälter zu hoch?
Gerät dadurch der soziale Frieden in Gefahr?
Sollen Arbeitnehmer über einen Investivlohn an den Unternehmen beteiligt werden -
oder hat das nur für die Unternehmen einen Vorteil?
Ist die Einführung von Mindestlöhnen ein sinnvoller Weg?

3 Kommentare zu “Von Maxi-Gehältern und Mini-Löhnen”

  1. Jörg Friedrich sagt:

    Ich lehne irgenwelche Reglementierungen zu Managergehältern ab. Es wäre so ein starker Eingriff in die Vertragsfreiheit, das hätte meines Erachtens auch Verfassungsrechtlich keine Chance. Und was wäre die Konsequenz? Alle fähigen Manager würden sich ins Ausland orientieren, uns bliebe nur das Mittelmaß.

  2. Lara sagt:

    Ja, Managergehälter sind zu hoch und auch der soziale Frieden ist in Gefahr, weil die Normal-Bevölkerung ein gutes Gespür für Gerechtigkeit ganz allgemein hat - leider artet das auch manchmal in die bekannten Neid-Diskussionen aus. Ich bin grundsätzlich der Meinung, dass man Menschen niemals zu viel Macht geben darf, auch nicht die, in enorm gut verdienenden Unternehmen sich selbst mit enorm großen Bezügen zu belohnen.
    Wo denkt in unsrer Gesellschaft schon mal einer an den anderen? Wir erziehen unsere Kinder dazu, sich um sich selbst zu kümmern, sich in der Welt durchzuboxen, verwöhnen sie - und die Manager machen vor wie das geht. Na bravo! Wer will sich da denn wundern?

    Ja, ich bin für Mindestlöhne. Es kann nicht angehen dass andere Versender als die Post mit Geringverdienern menschliche Existenzen ans Minimum bringen und mit dieser Masche auch noch gleichzeitig ihre Konkurrenz aus dem Wettbewerb hauen. Nein, das muss gestoppt werden ! (Früher war ich nie für Reglementierungen, mittlerweile habe ich jedoch mein Vertrauen in Wirtschaft und Manager verloren…).

    Stimmt schon, ich habe keine goldene Lösung bereit. Aber es müssen doch Mittel und Wege zu einem ausgeglichenen rücksichtsvolleren Miteinander zu finden sein. Trotzdem: bin nicht für den Sozialismus - siehe die Farm der Tiere von George Orwell …

  3. wilsons-island » Blog Archiv » U-Bahn Schläger wegbeamen... sagt:

    […] Die Gesellschaft als ganzes ist völlig überrascht, wieso der allerorten praktizierte Egoismus und die Rücksichtslosigkeit sie nun auch von ihrem Untergrund her zu unterhöhlen sucht. […]

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