Was ist das Neue am neuen Atheismus?
Seit Jahren ist der religiöse Fundamentalismus auf dem Vormarsch. Der britische Wissenschaftler Richard Dawkins („The Selfish
Gene“, 1976) hat darauf in diesem Jahr mit einer fundamentalen Religionskritik („Der Gotteswahn“) reagiert.
Ist das Anwachsen des Fundamentalismus - im Islam, aber ebenso auch im Christentum - wirklich nur Ausdruck eines Unbehagens sog. “bildungsferner Bevölkerungen” über die Zumutungen der Moderne?
Manche beklagen, dass es die Religionskritik bisher nicht geschafft hätte, die richtigen Bilder und Werte zu finden, die den Sinnverlust auffangen könnte, der durch die Aufklärung aufgetreten ist. „Die Aufklärung ist auf halbem Weg stecken geblieben“, meint deshalb Michael Schmidt-Salomon von der „Giordano Bruno Stiftung“.
Oder beantworten Fundamentalisten, unbeeindruckt von moderner Beliebigkeit, die Fragen, die die Wissenschaft, nach ihrer eigenen Definition, gar nicht stellen darf? Die Fragen z.B. nach dem Sinn und dem Ziel einer Evolution oder des Daseins.
Wollen wir aber, dass diese Lücke ausgerechnet von Fundamentalisten geschlossen wird? Von religiösen Kräften, die sich einer Diskussion verweigern, weil sie vorgeben, bereits im Besitz “ewig gültiger, heiliger Wahrheiten” zu sein. ![]()
“Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!”, fordert dagegen der „Zentralrat der Ex-Muslime. Interessant ist, dass in dem Maße, in dem Mitgliedszahlen der etablierten Kirchen abnehmen, zugleich sowohl Fundamentalisten wie auch bekennende Atheisten zunehmen. Findet hier also eine Polarisierung hin zu den beiden Enden des „Glaubens“-Spektrums statt?










Montag 17. Dezember 2007 um 11:29
Das ist eine durchaus plausible Theorie, dass sich die Bedürfnisse gläubiger Menschen in einer sehr materialistisch geprägten Welt als Abwendung von der Gesellschaft und Hinwendung zu einem fundamentalistischen Glauben äussert. Die Frage ist, wie so eine Polarisierung verhindert werden kann. Sie ist ja nicht irgendwie politisch gesteuert oder gewollt, sondern vor allem Ergebnis technischer und gesellschaftlicher Entwicklungen. Wie kann man den Fundamentalisten das Wasser abgraben? Nicht die Spur einer Idee.
Montag 17. Dezember 2007 um 12:14
Von meiner Grundeinstellung her würde ich eigentlich sagen, warum soll ich „Fundamentalisten das Wasser abgraben“.
Denn erstens kann jeder die Meinung vertreten, die er will – und außerdem sehe ich die „Rolle“ der Fundamentalisten auch darin, dass hier z.T. Fragen gestellt werden, die auch für die Gesellschaft insgesamt wichtig sind.
Trotzdem wäre diese Einstellung aber in diesem Falle naiv von mir, denn so unpolitisch sind die Fundamentalisten nämlich gar nicht. Im Gegenteil, sie sind sehr aktiv. (aktuelles Beispiel: „das Durchsetzen der Moralvorstellungen extremistisch-christlicher Fanatiker mit den Mitteln des Strafrechts“: http://oraclesyndicate.twoday.net/stories/4146485 u.
http://www.spreeblick.com/2007/12/14/das-jugendvogelschutzgesetz-recht-von-einem-anderen-stern/).
Und dieser politische Einfluß der Fundamentalisten, aller Couleur, war ja anscheinend auch der Auslöser für Dawkins und andere, sich zu Wort zu melden.
P.S.: Einen interessanten Beitrag zu Dawkins hat übrigens auch Christian Heller geschrieben: http://www.mindestenshaltbar.net/0312/stories/2148/
Montag 17. Dezember 2007 um 14:56
Hätte ich fast beim Lesen übersehen: Zentralrat der E x - Muslime. Wusste gar nicht, dass es so was gibt!