Strafanzeige wegen Volksverhetzung

Die Alevitische Gemeinde in Deutschland hat diese Woche Strafanzeige wegen Volksverhetzung gestellt. Grund war die Ausstrahlung der “Tatort”-Folge “Wem Ehre gebührt”, durch die ihre religiösen Gefühle verletzt wurden. (Hintergrundbericht hier und hier)
Aleviten, wer? – mögen jetzt viele denken. Daran schließt sich die Frage an, wollen die Deutschen überhaupt etwas über ihre Nachbarn im gemeinsamen Land wissen? Ist dafür noch Zeit neben viel Wichtigerem wie einem Knut, dem neuen iPhone oder irgendwelchen Trash-TV-Promis? Ist trotz oder wegen Schulbildung, Medien, Internet, das Wissen über die reale Welt in der wir leben, gesunken? Oder nur das Interesse? Was ist eigentlich mit dem viel gepriesenen Bürgerjournalismus, den Blogs? Regiert nicht gerade hier oft eher der „Seichtsinn“?
Photo A.C. Cooper / © Staatliche Museen Berlin
Aber zurück zu dem Anliegen der Alevitischen Gemeinde. Ursache der Empörung ist die Befürchtung, dass durch den Krimi historische Klischees bedient und bestehende Vorurteile und Diffamierungen von Seiten der sunnitischen Mehrheit unterstützt würden. Die Frage ist berechtigt, ob nicht die Gefühle aller religiösen Gruppen Respekt verdienen?
Ebenso stellt sich die Frage - dies galt schon beim Karikaturenstreit – inwieweit darf diese Rücksichtnahme die Pressefreiheit und ganz allgemein die Freiheit der Kunst einschränken? Ist es wirklich sinnvoll, wenn aus lauter Rücksicht ein offener Dialog zur Farce verkommt? Zeige ich Respekt eher dadurch, dass kritische Themen ausgespart werden oder durch den Willen, den Anderen besser kennen zu lernen?










Donnerstag 27. Dezember 2007 um 21:24
Ich bin ein Mensch, der gegen Ausländer-Hetze ist, und ich liebe Krimis mit psychologischem Hintergrund. Nun habe ich leider diesen Tatort nicht gesehen. Ohne zu wissen, worum es in der Handlung genauer ging und ob die Aleviten dabei tatsächlich verunglimpft wurden, bin ich vorläufig der Meinung, dass in Filmen eigentlich künstlerische Freiheit vorherrschen sollte - nicht nur des Vergnügens an psychologischen Krimis wegen. Ich kann nichts daran finden wenn Autoren, der Dramaturgie wegen, auf andere Kulturen zurückgreifen.
Eindeutig bin ich gegen die dänischen Mohammed-Karrikaturen, weil die einen “anderen Gott” als den christlichen ganz gezielt verunglimpfen. Das kann kein Karikaturisten-Spass sein, das ist eine Beleidigung für Gläubige! In so einem Film wie diesem Tatort kann ich das aber nicht so sehen!