Sind wir wirklich frei?
Das Leben ist wie eine Billardkugel. Einmal angestoßen, geht es unbeirrt in der einen Richtung weiter.
Niemand kann anscheinend den schicksalshaften Lauf ändern. Oder doch? Können wir die Weichen unseres Lebens noch einmal neu stellen? Haben wir die Freiheit dazu, oder sind wir einfach unserem Schicksal unterworfen und zu sehr in private und gesellschaftliche Zwänge eingebunden?
Oft sind wir unzufrieden, weil wir eigentlich ein ganz anderes Leben führen wollen, sind aber nicht bereit die Folgen zu tragen. Darum haben wir uns eben immer wieder für dieses Leben entschieden, in dem wir drinstecken. Machen dann aber oft andere - die Erziehung, die Umstände, Sachzwänge - dafür verantwortlich, die uns angeblich daran hindern würden, unseren Traum umzusetzen.
Sind vielleicht kleine Schritte zum Ziel der richtige, pragmatische Weg? Abstand gewinnen, Verzicht auf unnötigen Ballast, Innehalten und sich langsam aus ungewollten Verstrickungen lösen?
Photo © Teodoratan










Freitag 28. Dezember 2007 um 14:40
Ich fürchte, wir sind tatsächlich alle mehr oder weniger in unseren Zwängen, in unseren alten Geschichten, auch in unserem Charakter gefangen. Aber das heisst nicht, dass das so bleiben muss. Ich denke, wir haben die Fähigkeiten und damit auch die Freiheit, den Ballast abzuschütteln, der uns bremst. Distanz von sich selbst gewinnen und seine Gedanken, Gewohnheiten und Handlungen im Blick zu haben, scheint mir ein guter Ansatz. Bin aber selbst noch weit entfernt von einem Durchbruch, ich halte dich auf dem laufenden
Freitag 28. Dezember 2007 um 19:47
Was mich beunruhigt, ist der Gedanke, dass die Freiheit auch nur ein uns determinierendes Programm - und damit Unfreiheit - sein könnte. Dann hätte auch der Islam recht, der, im Gegensatz zum Christentum, lehrt, dass alle menschlichen Handlungen vorherbestimmt seien - was ja die Freiheit sehr einschränken würde. (”Vor der Macht Allâhs hat die menschliche Freiheit einen geringen Stellenwert. Daher hat sich die Lehre von der Vorherbestimmung Gottes (Prädestination), der Kismet-Glaube, der Glaube an die Macht des göttlichen Schicksals, durchgesetzt.”)
Sonntag 30. Dezember 2007 um 13:29
An diesem Gedanken wiederum (alle Handlungen sind vorherbestimmt) beunruhigt mich, dass es dann so einfach scheint, die eigene Verantwortung zu leugnen. “Ich kann ja nix für das, was so passiert, kann es ja eh nicht ändern…” Das halte ich für extrem gefährlich am Schicksalsgedanken.
Deine Fragen beschäftigen mich jedenfalls so stark in meinem Alltag, dass sie mich oft quälen. Ich stehe vor der Entscheidung, auszubrechen oder eben nicht, wollte es schon immer, bin aber mit meinen 30 Jahren mittlerweile auch nicht mehr ungebunden. Ich habe noch ein Jahr, dann steht die endgültige Entscheidung an. Einen Kompromiss scheint es nicht zu geben.
Ich glaube, vielen Menschen geht es so wie du sagst. Sie beschweren sich und könnten doch nur selbst etwas ändern. Sie schieben die Schuld auf andere(s).
Ich selbst versuche, nicht so zu leben und bin sicher, dass ich meine Entscheidung (in welche Richtung sie auch immer ausfallen wird) sehr bewusst fällen werde, dass ich dahinter stehen werde und dass ich mir über die Konsequenzen sehr bewusst sein werde. Ich hab es immer schon so empfunden, dass ich die Wahl habe und mein Leben auch zum Großteil danach ausgerichtet.
Ich hoffe, das war jetzt nicht zu kryptisch.
Und wünsche dir schon einmal einen guten Rutsch, falls wir uns nicht mehr lesen sollten!
Alles Gute.
Samstag 5. Januar 2008 um 00:43
Auch ich fühle mich manchmal wie in einer Zwangsjacke. Trotzdem kann ich nicht glauben, dass alles vorherbestimmt ist. Bin der Meinung, dass wir unsere Fähigkeiten und unser Menschsein nicht dazu haben um dies dann nicht einzusetzen.
Dennoch befinden wir uns manchmal in seelischen Verstrickungen, die wir selbst nicht durchschauen können, sondern nur so ein wenig im Hintergrund fühlen. Auch Veranlagungen und eingefahrene Gewohnheiten sind schwer zu verlassen. Wozu aber besitzen wir unser Herz und unseren Verstand? Ganz sicher, um beides auch einzusetzen und nicht nur vorherbestimmt durchs Leben zu gehen.
@ Liebe Muschelschubserin, wenn bei Dir eine Entscheidung ansteht, dann wünsche ich Dir viel Glück. Bin selbst schon mal aus einem eingefahrenen Leben ausgebrochen, das war sehr schmerzhaft - schmerzhafter jedenfalls als ich es mir vorgestellt hatte. Aber es lohnt sich, denn seine innere Stimme kann man nicht verleugnen oder wegdenken. Bin wie Du auch der Meinung, dass es zu einfach wäre, seine eigene Verantwortung aufs Schicksal zu schieben.
Samstag 5. Januar 2008 um 13:11
@Lara
Du sprichst mir aus der Seele. Ich wünschte, ich hätte diese Entscheidung auch schon hinter mir. Wie gesagt, seit mindestens 15 Jahren möchte ich raus aus diesem Leben und seit fünf Jahren weiß ich, dass es nicht mehr so einfach gehen wird dank meiner Beziehung. Da es wie es aussieht keinen Kompromiss geben wird, werde ich mich zwischen der großen Liebe (und das ist sie wirklich) und meinem Lebenstraum entscheiden müssen, den ich schon so lange habe, wie ich denken kann und auf den ich auch schon lange zumindest grob hingearbeitet habe. Es wird also auch definitiv schmerzhaft, egal, in welche Richtung ich mich entscheide. Und ob es die richtige Entscheidung ist, erfahre ich erst in einigen Jahren. Vielleicht auch nie.
Manchmal hab ich das Gefühl, dass mir das schon zu viel (Wahl-)Freiheit ist, weil ich mich mit dieser Sache unendlich überfordert fühle.
Samstag 5. Januar 2008 um 14:27
@ Muschelschubserin
Liebe Muschelschubserin, lass’ dir trotzdem Zeit. Wenn Du so hin- und hergerissen bist, dass du Dich schwer entscheiden kannst, dann hat auch das seinen Grund. Irgendetwas scheint mir da für Dich noch nicht geklärt zu sein. Manchmal gibt es auch Kompromisse, die man nicht so schnell erkennen kann. Du kannst doch auch eine (Muschel-)”Sucherin” sein bevor Du sie schubst. - Tu’s! Suche! Und entscheide dann! Und lass’ trotzdem nicht das Leben ohne Entscheidung an Dir vorbeiziehen.
Achtung: Bin keine Psychologin und hoffe, Dir nichts Falsches zu raten. Ich empfinde es halt nur so, weil ich ähnliches erlebt habe.
Und nochmal: Viel, viel Glück! Ich denke sicher hin und wieder an Dich.
Montag 7. Januar 2008 um 22:43
Hallo Lara,
ja, du hast Recht. Ich habe mich auch momentan dafür entschieden, nicht in Panik auszubrechen. Der eventuelle “Ausbruch” würde jetzt sowieso nicht anstehen, denn ich habe ein Studium zu beenden. Und darauf konzentriere ich mich erst einmal. Währenddessen kann ich ja im Hinterkopf wie du es sagst “suchen” (nach einem Kompromiss zum Beispiel). Oder wie es neulich jemand anderes zu mir sagte: Erstmal die Fragen leben, nicht die Antworten. Die kommen dann von ganz alleine.
Vielen Dank auf jeden Fall.