Dalai Lama: “Wie wir Harmonie schaffen”
“Die Harmonie und Freundschaft, die wir in unseren Familien, Staaten und in unserer Welt brauchen, kann nur durch Mitgefühl und Güte erreicht werden.
Indem wir einander mit Interesse und Rücksicht helfen, können wir viele Probleme auf einfachste Art und Weise lösen.
Harmonie kann nicht in einem Klima von Misstrauen, Betrug, Unterdrückung oder gnadenlosem Wettbewerb gedeihen.
Wir können unsere Probleme nur mit friedvollen Mitteln lösen - friedvolle Worte allein reichen nicht, sondern wir brauchen einen friedvollen Geist und ein friedvolles Herz.
Auf diese Weise werden wir eine bessere Welt haben.”
Dalai Lama, “Der Weg zum Glück”










Dienstag 15. Januar 2008 um 08:27
Hi,
ich hoffe das ist eines der Themen, bei denen dich die Meinung der Besucher interessiert (Ich war eben auf dem Frageblog
Ich selbst bin ein religiöser Mensch, und denke, es ist wirklich wichtig, der Welt mit einem ‘friedvollem Herzen und einem friedvollem Geist’ zu begegnen.
Gerade heutzutage. Wo man aus den Nachrichten hört, dass Jugendliche jemanden brutal verhauen, weil dieser sie bat das Rauchen einzustellen. Aber ich glaube nicht, dass sich diese Einstellung durchsetzen kann.
Die Schwächeren waren stets Ziel der Stärkeren und Rücksichtsloseren. Tibet sei da nur am Rande erwähnt.
Jedoch muss im Denken der Menschen etwas passieren. Die Kluft zwischen Arm und Reich wird größer, und die Gewaltbereitschaft nimmt zu. Die politische Lage spitzt sich in einigen Teilen der Welt weiter zu, und wird früher oder später auch nicht-wirtschaftliche Folgen mit sich bringen.
Wir sollten mehr so sein, wie unseren Religiösen Vorbilder. Und wenn wir keine haben, was nehmen wir dann als Vorbild?
Dienstag 15. Januar 2008 um 12:37
Hi Stefan,
du verknüpfst gekonnt die zeitlosen Worte des Dalai Lama mit der aktuellen Diskussion über Gewalt in der Gesellschaft. Das finde ich sehr gut, weil du damit einen Weg aufzeigst, wie diese Diskussion über rein populistische Argumente hinaus geführt werden könnte. Und du sprichst meiner Meinung nach auch ganz klar die Probleme und Herausforderungen der Zukunft an. Die weiter wachsende Kluft zwischen Arm und Reich, die Zunahme von Krieg und Gewalt auf der Welt…
Es ist ja tatsächlich so, dass sich die großen Erwartungen, die die Menschen nach dem Ende des „Kalten Krieges“ hatten, hinsichtlich einer Beendigung zwischenstaatlicher Konflikte, einer gerechten Verteilung des Wohlstandes u.s.w. nur zum kleinen Teil erfüllt haben. Einige, bis dahin verdeckte Konfliktherde, eskalierten mit dem Wegfall der dipolaren Welt erst so richtig; Die Verknappung der Rohstoffe, nicht nur des Erdöls, wird absehbar zu einer Zunahme der Verteilungskämpfe führen. Auch innerhalb der einzelnen Länder. Der Abbau der Sozialsysteme und ganz allgemein der rauere Ton in den Gesellschaften wären dann wahrscheinlich nur die harmlosen Vorboten einer kommenden Welt, wie auch du sie hier andeutest. Deshalb hast du meiner Meinung nach völlig recht, wenn du sagst: „im Denken der Menschen (muss) etwas passieren“.
Du schlägst dann dazu vor, dass die Menschen sich stärker an Vorbildern orientieren sollten. Hierzu habe ich meine erste Frage an dich. Glaubst du, dass die auch von dir angesprochen jugendlichen Gewalttäter keine Vorbilder haben, oder haben sie die (in unseren Augen) falschen Vorbilder? Wenn sie Vorbilder haben, warum dann gerade diese? Wie willst du konkret die von dir angesprochenen Vorbilder an die Jugendlichen heranbringen? Dies soll jetzt weniger eine Kritik an deinen Ausführungen sein, als vielmehr meine eigene Ratlosigkeit in dieser Sache aufzeigen.
Vielleicht ist momentan gar nicht viel mehr möglich, als erst einmal überhaupt Diskussionen, z.B. in den Blogs, anzustoßen, Fragen zu stellen, eigene Meinungen zu entwickeln, wieder zu verwerfen…
Dienstag 15. Januar 2008 um 13:39
Über dieses Folgeproblem habe ich mit heute morgen noch gar keine Gedanken gemacht. Und sicher hast du Recht.
In den Zeiten der Selbstbestimmung und des geradezu boomenden Atheismus, wird es zunehmend schwerer, für Vorbilder zu werben. Gerade, wenn diese auch noch religösen Ursprungs sind, und mit friedvollem Handeln, oder gar zu maßvollem Konsum, oder ähnliches mahnen.
Vielleicht sind es nicht zuerst die Jugendlichen, die sich wieder ein Vorbild für ‘menschliches’ Verhalten nehmen müssen, sondern die Eltern. Denn kein Mensch hat soviel Einfluss auf ein Kind, wie die Eltern, oder anders gesagt, die Umgebung in der eigenen Kindheit. Das Buch “Emotionale Intelligenz” v. Daniel Goleman, beschreibt unter anderem, wie wichtig emphatisches Verhalten der Eltern auf die Kinder ist. Und wie sich das Fehlen dieses Verhaltens, auf die spätere Entwicklung auswirken KANN. Man muss immer dazu sagen, dass es es nicht der Regelfall ist. Menschen sind eben nicht alle gleich.
Aber das ist bloß meine Meinung. Ich hoffe, wir können mit den Disskusionen auf den Blogs zu einer Meinung kommen, die uns voranbringt. Obwohl die Politiker es sind, die die Fähnden in den Händen halten…
Dienstag 15. Januar 2008 um 15:31
Ich habe keine religiösen Vorbilder. Ich habe ‘nur’ mein Gewissen und behaupte, daß es nicht strenger geht.
Ehrlich gesagt habe ich keine einzige Lehre parat, die mir immer sagte, was gerecht ist und was nicht. Das entscheide ich selbst, von Fall zu Fall. Wenn ich weiß, daß etwas einem anderen schaden könnte, verkneife ich’s mir einfach, auch wenn mir dadurch irgendein Vorteil entgeht. Ich lasse es, weil ich weiß, daß ich an solchen Vorteilen keinen Spaß hätte. Gewissen eben.
Allerdings reiße ich gelegentlich meine Klappe ziemlich weit auf und nehme dabei wenig Rücksicht. Wo bei einem anderen hier die Grenze des Erträglichen liegt, weiß ich ja erst dann, wenn ich sie erreicht habe. Ich kann mich dann aber auch entschuldigen.
Insgesamt gesehen jedoch läuft die Sache, so praktiziert, nicht besonders gut. Irgendwie bleibt man auf der Strecke (hocherhobenen Hauptes natürlich), weil das Leben so eben auch etwas teurer wird. Machen halt zu wenige mit, sonst würde das schon fantastisch funktionieren. Ich predige allerdings auch nicht. Ich wehre mich nur.
Gerade über Vorbilder allgemein habe ich in den letzten Monaten viel nachgedacht. Mir ist keines eingefallen. Manche imponieren mir mit irgendetwas, was sie machen oder denken, aber zum Vorbild hat’s bei mir noch keiner gebracht. Manchmal denke ich an diesen uralten Spanier, der da allein tapfer an seiner eigenen Kathedrale weiterbaut. Mir egal, ob der spinnt, er hat meinen höchsten Respekt.
Nein, Vorbilder habe ich wirklich keine. Und der Dalai Lama ist durch seine Freundschaftserklärung zu R.K., dessen vollen Namen in den Mund zu nehmen ich mich weigere, in seinem Ansehen bei mir dramatisch gefallen. Er interessiert mich eigentlich nicht mehr. Trotzdem habe ich den Beitrag gerne gelesen. Solange man so etwas sagt, kann man anderes dummes Zeug nicht reden.
Dienstag 15. Januar 2008 um 16:32
Die glaubwürdigsten Vorbilder sind meiner Meinung nach die, die selbst ein ähnliches Problem erlebt haben, wie das, zu dem sie dann als Vorbild dienen sollen - ob die nun religiös sind oder nicht, spielt da eigentlich weniger eine Rolle. Bis zu einem gewissen Alter der Jugendlichen kann das z.B. der Scary Guy sein, über den hier auch mal geschrieben wurde. Für mich als Jugendlicher war z.B. mal ein ehemaliger Heroin-Junkie sehr überzeugend, die Finger von harten Drogen zu lassen. Ich hab da in einem Ferienjob gearbeitet, und der andere, ich glaub er hieß Andreas, als Lagerarbeiter. Irgendwie waren wir uns sofort sympathisch, obwohl ich ja mehr der Schülerbubi und er der coole Typ war. Und was er mir dann in den Pausen erzählt hat, wie es wirklich abläuft, wenn man wieder runter will von dem Zeug, und was man für körperliche Schmerzen hat, wenn man auf Entzug ist …
Anders wird das bei den heutigen Kids oder Jugendlichen auch nicht sein. Ich glaub schon, die brauchen ab einem bestimmten Alter einfach jemanden, der sie versteht, ihre „Sprache“ spricht, den sie anerkennen und vor dem sie Respekt haben.
Dienstag 15. Januar 2008 um 18:38
So gesehen, für einzelne Bereiche, habe ich wahrscheinlich schon Vorbilder, denn irgendwo muß ich mir mein ‘Gewissen’ ja abgeguckt haben. Ich meinte nur, daß ich keinen kenne, von dem ich sagte, ich möchte so sein wie er. Nach dem ich mich immer oder meistens richte.
Ich habe mit harten Drogen ganz einfach nur Glück gehabt: Ich bin einfach nie damit in Berührung gekommen. Ich habe nie ‘nein’ sagen müssen, denn die Frage gab’s gar nicht. Ich betrachte das wirklich als ganz großes Glück, ist nicht mein Verdienst.
Kids sind heute wie früher einfach schon froh, wenn man sie nicht blöd anquatscht. Wenn man ihnen heute unentwegt sagt, sie seien zu blöd und würden nichts taugen, wen wundert da was? Selbst jeder Comedian, der heute im Fernsehen auftritt (und das ist alle 2 Stunden einer), hat mindestens eine Nummer im Programm, mit der er die Jugend niedermacht. So etwas gab’s bei uns nicht. Man hat uns zwar kritisiert, aber nicht derart dreckig niedergemacht.
Dienstag 15. Januar 2008 um 19:20
Ja vielleicht brauchst du im Bereicht der Moral und Ethik kein Vorbild. Aber ich habe da heute ziemlich viel drüber nach gedacht, und werde wohl früher oder später noch ein Thema dazu starten.
Denn ich glaube, dass die Gesellschaft serh wohl ein Vorbild, oder zumindestens eine waage Vorstellung von der ‘richtigen’ Moral benötigt.
Dass wir uns nicht wie Haifische im Goldfischbecken benehemen können ist klar. Aber die heutige Jugend benötigt jemanden, der es ihnen vormacht, und dabei angesehen ist, und Erfolg hat.
Für sie bringt es nichts, wenn jemand tolle Moralvorstellungen hat, aber selbst damit nicht klarzukommen scheint. Denn diese Leute sind leichter ‘auszunehmen’ bzw. auszunutzen. Aber das will selbstverständlich keiner.
So ist es für Pioniere schwer, dabei zu bleiben, um jemandem ein Vorbild zu sein.
Im Rahmen einer Religion, ist es für das Vorbild selbst leichter. Aber die Glaubwürdigkeit verliert sich mangels Argumentationskraft in dieser ach so rationalen Welt.
Dienstag 15. Januar 2008 um 19:41
@Stefan:
Wen haben WIR denn damals an Vorbildern gehabt? Ich meine jetzt für mich so in den siebziger Jahren? Ich kann mich nicht erinnern. Gut, für einige war’s Bob Dylan, als Beispiel, oder irgendwelche Gurus - aber für DIE Jugend?
Vielleicht brauchten wir auch keine, weil wir uns eigentlich keine Sorgen machen mußten. Ich sag’s mal überspitzt: Als wir 18 wurden, konnte das Leben losgehen. Wer heute 18 wird, geht als erstes auf’s Sozialamt.
Wir hatten hier früher ein Jugendhaus. War klasse. Gibt’s schon jahrelang nicht mehr. In der ganzen näheren Umgebung hier gibt es nichts mehr für Jugendliche, absolut gar nichts. Die hängen hier buchstäblich auf den Plätzen rum und warten, daß morgen wird. Man sollte Spaß haben, wenn man jung ist. Kein Geld mehr da. Alles verplempert. Jedes Kaff brauchte seine Fußgängerzone und seinen Badepark (den sich auch schon damals ein Jugendlicher von seinem Taschengeld nur einmal im Monat leisten konnte) und alle 20 Meter eine Straßenlaterne. Für das Jugendhaus reicht’s nicht mehr. Der Badepark hier in der Nähe, in den sowieso kaum jemand geht, ist seit Jahren pleite und kostet im Jahr 20mal soviel.