Wem kann man heute noch vertrauen?

little-boat-on-the-ocean.jpgVor ein paar Tagen habe ich folgende Meldung gelesen: „Olivenöl ist vielleicht doch nicht so gesund, wie immer behauptet wird“. Sagen zumindest jetzt neuerdings zwei Forscher von der UNI Münster. Die Wissenschaftler haben im Laborversuch festgestellt, dass Olivenöl die Entwicklung einer Arterienverkalkung sogar fördern könnte und raten dazu, wieder mehr Butter zu essen…

Ja wie denn jetzt? Jahrelang hat man uns beigebracht: “Olivenöl ist gesund” - und jetzt soll das alles ganz falsch gewesen sein? Offensichtlich wird es immer schwieriger, überhaupt noch irgendwem irgendetwas glauben…

Dennoch ist man aber gerade in einer modernen stark arbeitsteiligen Welt darauf angewiesen, Fachleuten, Experten oder Spezialisten zu vertrauen und zu glauben. In einer Welt, die so komplex geworden ist, bedeutet Vertrauen immer auch eine, manchmal riskante, Vorleistung des Einzelnen. Ohne die es eben oft unmöglich ist, überhaupt bestimmte Entscheidungen zu treffen. Wahrscheinlich ist dies sogar ein Grundproblem unserer Zeit. Der Soziologe Luhmann hat Vertrauen deshalb einmal als notwendigen „Mechanismus der Reduktion sozialer Komplexität“ bezeichnet.

Während es in vormodernen Gesellschaften noch in viel stärkerem Maße möglich war, Entscheidungen aufgrund von eigener Erfahrung und traditionellem Wissen zu treffen, zwingt uns paradoxerweise gerade die moderne „Wissensgesellschaft“ dazu, Entscheidungen häufig allein auf Vertrauen und Glauben stützen. Vielleicht geht ja dieses Zeitalter deshalb gar nicht als das „wissenschaftliche“ in die Geschichte ein, sondern eher als die große “Glaubens”-Epoche ;-)
Trotzdem ist es sinnvoll die Plausibilität von Aussagen der sog. Experten mit seinem eigenen gesunden Menschenverstand, der Lebenserfahrung und einer durchaus kritischen Grundeinstellung zu hinterfragen. So wäre es z.B. bei dem oben genannten Forschungsergebnis jetzt interessant zu erfahren, wer die Laborversuche finanziert hat, wie aussagekräftig die Ergebnisse bereits sind, u.s.w. Dies gilt natürlich ebenso umgekehrt für die Meldungen, die früher das Olivenöl propagiert hatten…

Realistischerweise wird man das nun aber nicht in vollem Umfang bei jeder Information, die man in den Medien, von Fachleuten oder auch im Internet erhält, machen können. So hat wahrscheinlich jeder seine eigenen, persönlichen, „Kulturtechniken“ entwickelt, mit denen er die Balance zwischen einem notwendigen Vertrauen und einem kritischen Misstrauen hält. Dazu können eine gewisse Gelassenheit und „Abgebrühtheit“ gegenüber Vertrauens-Enttäuschungen gehören, das Besprechen mit Freunden und Bekannten…

Wie schafft man es, einerseits einem Menschen zu vertrauen und andererseits nicht naiv alles zu glauben, was einem erzählt wird?

Photo © Teodoratan

3 Kommentare zu “Wem kann man heute noch vertrauen?”

  1. Lara sagt:

    Diese Geschichte war doch vor rund zwanzig Jahren schon mal aktuell - mit Sonnenblumenöl, das früher als so gesund beworben wurde und dann von den Meinungsbildnern wieder verworfen wurde, weil es zu Arteriosklerose führte. Also alles schon dagewesen ?!

    Dann gab es im Gesundheitsbereich den Hinweis, dass Selen so gut sei. Auch das wurde wieder verworfen, ich glaube mich zu erinnern, weil ein erhöhtes Krebsrisiko nicht auszuschließen war - vielleicht war dies aber auch nur nicht geprüft worden. Mich wundert da schon lange nichts mehr!

    Ich versuche mich so gut und vitaminreich wie möglich zu ernähren und auf den eigenen Körper zu hören.
    Die tolle Botschaft vom ganz idealen Lebenmittelzusatzstoff nehme ich nicht ganz so ernst wie früher.

    Allerdings glaube ich auch jetzt nicht, dass Olivenöl so schlecht ist. Die Empfehlung vieler Ärzte zur mediterranen Küche - mit viel Olivenöl und weniger Fleisch - kann so schlecht nun auch wieder nicht sein.

  2. Traumtänzer sagt:

    Jeder gesunde Mensch spürt instinktiv was für ihn gesund ist und was ihm nicht gut tut. Auf die Fachempfehlungen verlaße ich mich nur bedingt.

  3. Karl sagt:

    Nachdem ich auch schon viel zu viele widersprüchliche Studien gesehen habe, mache ich schon seit langem, was mir beliebt. Im Salat mag ich Olivenöl, in der Pfanne Schweineschmalz oder Butter, je nach dem, was ich gerade koche und wie es geschmacklich passt.

    Wenn ich mein Leben nach dem ausrichte, war gerade als gesund propagiert wird, muß ich mich öfter umstellen, als ich mag. Außerdem sagte meine Mutter zu dem Thema:

    Wer nur gesund lebt, lebt gar nicht länger. Es kommt ihm nur viel länger vor.

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