Helmut Schmidt - der letzte Rebell?

helmut-schmidt.jpg Altbundeskanzler Helmut Schmidt - der letzte Rebell in einem durch und durch reglementierten Deutschland? Ein Mann, der für seine Lebenseinstellung nicht einmal den Konflikt mit der Justiz scheut? Aber - wie soll man auf der anderen Seite die Reaktion der „NIW“ der militanten „Nichtraucher Initiative Wiesbaden“ auf die Raucher-Straftat einordnen? Als nachträgliche Bestätigung für Jens Jessen, den Feuilleton-Chef der „Zeit“? Die Reaktion auf das Vergehen, begangen in einem Hamburger Theatercafé und in der letzten Woche Gesprächsstoff in allen Medien, ist sie nicht tatsächlich ein Beleg für dessen These einer notorischen deutschen Intoleranz? Hat die deutsche Gesellschaft vielleicht wirklich ein Problem mit zu vielen gängelnden, spießigen Besserwissern?

Ich muss zugeben, Helmut Schmidt imponiert mir. Ich find den richtig gut. Dabei bin ich gar kein Raucher (Na ja, ab und an rauche ich mal eine Zigarillo). Früher war ich ja sogar eher der strikte Anti-Raucher. Und daran war mein Urgroßvater Schuld…


Dessen letzte große Leidenschaft war das genussvolle Rauchen von dicken Zigarren. Am liebsten bei uns im Wohnzimmer. Und natürlich ohne Rücksicht auf uns empfindliche jugendliche Nasen. Auch kein: “Man Opa, du stinkst schon wieder”, konnte ihn von seiner meditativen Stunde (was sag ich, den ganzen Tag hat sich das hingezogen) abhalten. Noch während wir im Feuereifer losrannten, um die Wasserspritzpistole zu suchen, kam das übliche: “Ick darf det, ick hab die Jewerkschaft in Chemnitz jegründet”. Wobei mir der Zusammenhang zwischen „Paffen bis zur Vergasung“, „Nachts in Blumentöpfe pissen“, der „Inbeschlagnahme des Fernsehers“ und dem “Ick darf det, weil …” bis heute nicht recht einleuchten will.

Im Nachhinein muss ich sagen, die paar Mal, die er bei uns aus Berlin zu Besuch war, waren zu wertvoll, dass man diese kleinen Marotten nicht hätte tolerieren können. Gestorben ist er dann übrigens nicht an den Folgen seines exzessiven Qualmens, sondern aus Protest, nachdem ihn seine 30 Jahre jüngere Frau ins Altersheim gegeben hatte. Also, lieber H. Schmidt, ich glaube, es gibt es mindestens noch einen Rebellen, im Himmel, der Sie versteht.

2 Kommentare zu “Helmut Schmidt - der letzte Rebell?”

  1. Traumtänzer sagt:

    Für mich ist es eine “klein-Kind-Trozreaktion”. Eher lächerlich als imponierend…….

  2. Karl sagt:

    Dein Opa wußte sehr viel besser, worum es ging, als Du vielleicht ahnst:

    Schon die preußische Obrigkeit habe es bekämpft, dass sich das gemeine Volk dem Tabakgenuss hingebe, der anfangs den höheren Ständen vorbehalten war. Tatsächlich hieß es 1848 in der Neuen Preußischen Kreuzzeitung, dem Organ der Reaktion gegen die Märzrevolution: “Die Cigarre ist das Scepter der Ungeniertheit. Mit der Cigarre im Mund sagt und wagt ein junges Individuum ganz andere Dinge, als es ohne Cigarre sagen und wagen würde.” Berliner Arbeiter hingegen forderten damals: “Freiet Roochen - ooch im Tiergarten!”

    http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/montagsdemo-gegen-rauchverbot

    Helmut Schmidt ist nicht nur ein kluger Mann, der in seinem Leben so einiges bewegt hat, er ist auch ein alter Knabe, der um diesen Sachverhalt weiß.

    Der Bimbeskanzler setzte sich im Zusammenhang mit Millionenschiebereien über das Recht hinweg.

    Ein aufrechter Mann wie Helmut Schmidt verteidigt die Errungenschaften seiner Altvorderen.

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