Soll sich Deutschland stärker in Afghanistan engagieren?

In der letzten Woche hatte der US-Verteidigungsminister Robert Gates, eine Ausdehnung des Bundeswehrmandats auf den Süden Afghanistans gefordert. Zur Unterstützung der Truppen aus den USA, Kanada und den Niederlanden. Die Bundesregierung hat die Forderung bislang zurückgewiesen und betont, dass das Mandat auf den Norden Afghanistans beschränkt bleiben soll.

isaf.jpg In diese mittlerweile auch in den Blogs geführte Debatte hat sich zuletzt auch der SPD-Politiker Hans-Ulrich Klose eingeschaltet und der Diskussion eine neue Richtung gegeben. In seiner Rolle als stellvertretender Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag hat sich Klose für einen möglichen Kampfeinsatz in ganz Afghanistan ausgesprochen. Auch der Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer hat ein stärkeres Engagement der Bundeswehr in ganz Afghanistan gefordert.

(Bild vergrößern) Hintergrund der Auseinandersetzung ist ein schon seit längerem bestehender Streit über die Lastenverteilung bei dem Afghanistan-Einsatz der Nato. Von Seiten der Nato steht die Forderung im Raum, dass Deutschland zukünftig 17 Prozent der Truppen in Afghanistan stellen müsse, was eine Verdoppelung der dort stationierten deutschen Soldaten bedeuten würde. Es stellt sich allerdings die Frage, ob dies in Deutschland mehrheitsfähig ist?


Der zweite Streitpunkt betrifft das Einsatzgebiet. Bislang führen die USA, die Briten und die Kanadier die Kampfeinsätze gegen die Taliban im Süden des Landes alleine durch und haben hier auch die höchsten Verluste. Nach dem Willen der USA soll Deutschland jedoch zukünftig die Bundeswehr auch in Südafghanistan einsetzen.

Die Frage ist also: Soll sich Deutschland, aus Solidarität mit den anderen Nato-Staaten, stärker in Afghanistan engagieren? Ist die bisherige Weigerung Deutschlands gerechtfertigt? Was sagen eigentlich die Menschen in Afghanistan selbst zur Anwesenheit der Bundeswehr in ihrem Land?

Quelle: Süddeutsche; tagesschau

14 Kommentare zu “Soll sich Deutschland stärker in Afghanistan engagieren?”

  1. Michael Kostic sagt:

    Hallo,

    leider ist die ganze Diskussion um Afghanistan vollkommen lächerlich. Der gesamte Einsatz hat, ausser für die USA, für den Rest der Beteiligten keinerlei Nutzwert. Wenn dort wenigstens richtig gekämpft würde, könnte man argumentieren, dass es sich hierbei um eine Art Truppentraining handelt. Es ist eben ein gewaltiger Unterschied, ob ich einen Konflikt simuliere, oder an einem teilnehme. Aber schon der so viel beschworene verantwortungsbewusste resp. dies steigernde Polizeieinsatz, entbehrt jeder Vernunft. Wenn unsere Herren aus der Armee lernen wollen, wie Polizei funktioniert, dann können sie hierzulande Schulungen genießen, dass ist günstiger und effektiver.

    Und die karitativen Maßnahmen kann man auch ohne Armee realisieren. Ein Freund von mir war vor Ort und hat hierzu festgestellt:

    „Ich habe noch immer keine Ahnung, was das ganze Kasperletheater hier soll. Unsere Führung ist absolut überfordert. Die Warlords wechseln schneller als die Vereinbarungen, die wir mit ihnen treffen. Das was die Leute hier wirklich brauchen, darüber berichtet keiner und das bekommen sie von uns auch nicht. Was sollen die mit einer Straße, einer Schule oder einem Krankenhaus, wenn die im Winter erfrieren, weil sie weder Brennstoff noch Decken haben? Was hilft es denen wenn wir dafür sorgen, dass sie nicht mehr von irgendwem einfach abgeknallt werden, aber dann verhungern weil sie kein Essen haben?“

    Das einzige was unsere Soldaten aus diesem humanitären Desaster lernen ist, dass unsere gesamte Führung auf ganzer Linie versagt.

    Gut, wenigstens diesen Lerninhalt könnte man als Erfolg verbuchen, wenn auch einen ziemlich kostspieligen!

    Ach, übrigens:

    Derweil hier eine snobistische Gesellschaft darüber diskutiert wie viele Soldaten dort eingesetzt, bzw. welchen Aufgaben sie dort angeblich nachkommen sollen. Leiden in dieser Industrienation wieder rund drei Mio. Kinder an Hunger und Armut. Wie ging gleich dieses alte, aber vor allem hier sehr zutreffende Sprichwort:

    „Bevor ich mich über den Dreck vor der Tür anderer Leute kümmere, sollt ich vor der eigenen Haustür kehren!“

    Gruß

  2. Aki Arik sagt:

    Hey Michael,
    freut mich, dich hier zu sehen :-) Ein Augenzeugenbericht, von jemanden, der dort vor Ort war, ist für mich immer noch am überzeugendsten. Gut, dass du den hier erwähnst. Vor ein paar Tagen war ein Bericht im TV über diese Wahnsinnskälte in Afghanistan. Da hab ich mir auch gedacht, ist das denn wirklich so schwer, dort auch mal für so einfache Sachen, wie Decken und warme Kleidung, zu sorgen. Ich hab aber auch im Radio gehört, dass immer wieder LKW`s der Hilfsorganisationen unterwegs überfallen und geklaut werden. Also, ganz ohne militärischen Schutz sind die auch aufgeschmissen.

  3. Michael Kostic sagt:

    @Aki Arik:

    Na, das ist doch der beschriebene Hohlsinn :-(
    Auf der einen Seite sind unsere Generäle nun einmal nicht primär dafür ausgebildet solcherlei „Katastrophenhilfe“ zu koordinieren (Decken, Brennmaterial, Kommunikation, Lebensmittel und Medizinversorgung etc.), aber auf der anderen Seite erlauben wir es ihnen auch nicht, zumindest den hier aktiven Hilfsorganisationen, deren Weg „frei zu räumen“! Weil da müssten ja unsere Soldaten u.U. auf Leute schießen, die den Ärmsten der Armen deren bescheidene Habe stehlen wollen. Und das geht ja nun wirklich nicht.

    Man, man, man. Und das alles nur, weil noch immer weite Teile unserer Bevölkerung eine vollkommen unbegründete Angst vor einer angeblichen Wehrmacht 2.0 haben. Da merkt man halt, dass noch immer kaum einer verstanden hat, dass diese unsere Armee eine der rechtlich fortschrittlichsten dieser Welt ist. Desinformation, wo man nur hinschaut.

    Mehr Soldaten helfen dort weder dem Land, noch der Bevölkerung. Die, die schon da sind, brauchen mehr Vollmachten (aktiver Schutz der wehrlosen Teile der Bevölkerung). Sowie deutlich mehr karitative Ausrüstung um in Notfällen auch schnell mal selber Hilfe leisten zu können. Immerhin ist es ja ein Unterschied ob mit Waffen gerüstete Soldaten Hilfsgüter verteilen, oder Leute die sich darauf verlassen das man nicht auf sie schiesst, nur weil sie selbst keine Waffen haben.

    Was mich bei diesen Dingen hauptsächlich stört ist diese inkonsequente „Hottehüh“ Mentalität. Also weder richtig Hott, noch richtig Hüh.

    Gruß

    PS: Ich bin gerne in Regionen die Niveau ausstrahlen, die sind nur bei Millionen I-Netz-Präsenzen, recht schwer zu finden ;-)

  4. Jörg Friedrich sagt:

    Warum sind NATO-Truppen in Afghanistan?

    - weil vom Territorium dieses Landes die größten terroristischen gefahren ausgehen.
    - weil dort das Drogenproblem an der Wurzel bekämpft werden kann.
    - weil die Welt nicht zusehen kann, wie fundamentalistische Kämpfer ein Volk (und vor allem die Frauen) in barbarischer Sklaverei halten.

    Wenn über diese Behauptungen Einigkeit besteht, dann muss die Frage, welchen Anteil Deutschland dort lesiten sollte, ausschließlich nach der Fähigkeit, Truppen bereitzustellen, bemessen werden. Deutschland muss da sicher in der gleichen Größenordnung engagiert sein, wie es seiner Wirtschaftsleistung entspricht.

  5. Michael Kostic sagt:

    @Jörg:

    Das Problem besteht darin, dass über diese Behauptungen keine Einigkeit besteht. Mein ältester Bruder war da (in einer Funktion, die zu erklären diesen Blog sprengt). Damals als dort noch der böse Russe bekämpft wurden, mit der HILFE des lieben Westens. Und Du willst nicht wissen, wer die Leute dahin brachte, die Heute dort ihr Unwesen treiben. Obwohl, wenn Du es wissen willst dann schau dir mal das Programm von Volker Pispers an. Der verpackt den Irrsinn wenigstens humoresk.

    Worin Einigkeit bestehen sollte, sind unsere tatsächlichen Interessen dort. Wie viel Öl beziehen wir aus bzw. über diese Region? Sind die Nachschubwege unserer Industrie durch Feinde gefährdet und so weiter. Weil wenn ja, dann sollten wir wirklich mehr Soldaten schicken, um unser Öl gegen diese Barbaren zu verteidigen. Bzw. um an der Drogenproduktion ordentlich zu partizipieren. Nicht nur Kleckererträge, nein das ganz große Geschäft sollten wir mitnehmen.

    Gruß

  6. Aki Arik sagt:

    @ Jörg:

    Deiner Kurzanalyse, “warum NATO-Truppen in Afghanistan?” stimme ich teilweise zu.

    Die von dir daraus gezogene Schlussfolgerung “Wenn …, dann …, ausschließlich ” beinhaltet neben den drei von dir genannten noch weitere, ungenannte, Prämissen (z.B. “die Frage nach dem tatsächlichen politischen Willen, Verantwortung zu übernehmen”, ” nach der in der Bevölkerung empfundene Verpflichtung zu einer Solidarität mit den anderen Nato-Staaten”, “nach der grundsätzlichen Akzeptanz eines Kampfeinsatzes im Ausland”, “der Frage nach dem Rahmen des Einsatzes: Nato/UNO”, etc). Man mag also deiner Kurzanalyse des “Warum Afghanistan?” zustimmen oder nicht - und die meisten werden dir hier wahrscheinlich mehr oder weniger zustimmen - das im Anschluss daran nur noch die rein technisch Frage nach der Truppenstärke zu klären wäre, halte ich für z.Zeit politisch nicht durchsetzbar. Dies zeigt ja auch die Breite der öffentlichen Debatte darüber.

    Bzgl. der Frage, welchen Anteil Deutschland in Afghanistan leisten solle, sind verschiedene Vorstellungen im Gespräch. Eine davon sieht z.B. vor, dass jedes Nato-Land seine Truppenhöhe prozentual in der Größenordnung stellen soll, in der es auch an der Finanzierung der Nato beteiligt ist. Deutschland trägt 17 Prozent des Nato-Haushalts - müsste also demnach auch 17 Prozent der Truppen in Afghanistan stellen - was einer Verdoppelung der bisherigen Truppenstärke bedeuten würde. Auch dies scheint mir aber aus verschiedenen Gründen, die Michael bereits erwähnt hat, zur Zeit politisch nicht durchführbar.

  7. Michael Kostic sagt:

    Hallo,

    ich denke Jörg wollte das auf eine sachliche Ebene heben. Aus dem politischen Blickwinkel betrachtet, ist das ja auch vollkommen korrekt. Aber dieser Blickwinkel ist halt in meinen Augen überholt ;-)
    Gruß

  8. Jörg Friedrich sagt:

    Ich staune immer wieder darüber, wie wenig ich über das afghanische Problem wirklich weiß. Dafür, dass unsere Soldaten da jetzt eine schnelle Eingreiftruppe stellen, reden wir in Deutschland viel zu oberflächlich über Gründe und Ziele.

  9. Aki Arik sagt:

    Eine Frage ist für mich auch immer noch nicht endgültig klar: Was ist letztlich das Ziel bei der Afghanistan Mission? Den Terrorismus zu bekämpfen, also Al-Qaida auszuschalten oder das Land aufzubauen und eine Demokratie zu errichten (ich erinnere nur an das Todesurteil gegen den Journalisten, siehe mein Beitrag vom 03.02.08 …)

  10. Michael Kostic sagt:

    @Jörg:

    Nur mal zu dem Thema „Was man alles so nicht weiss und trotzdem drüber spricht“.

    Als die Russen noch den Versuch unternahmen Afghanistan zu „befrieden“, war es auch eine der Aufgaben meines ältesten Bruders dafür zu sorgen das verwundete Offiziere (sehr Hochrangig) der sog. Freiheitskämpfer nach Deutschland gebracht und hier wieder zusammengeflickt wurden. Damit sie halt so schnell wie möglich wieder zurück in die Heimat konnten um die bösen Russen zu vertreiben (was ja schlussendlich auch gelang).

    Hätte man damals allen solchermaßen reparierten sog. Freiheitskämpfern während der Operation gleich GPS Sender eingepflanzt, hätten es unsere Nato-Generäle heute sehr leicht die nunmehr bösen sog. Warlords ausfindig zu machen ;-)
    @Aki Arik:

    Welches Ziel meinst Du? Das weshalb der Bundestag dem Einsatz zugestimmt hat, oder das weshalb unsere Kinder dort wirklich sind?

    Gruß

  11. Aki Arik sagt:

    @ Michael:

    ich meine, wenn die Politik sich schon für einen Einsatz entscheidet, dann sollte sie zumindest auch die notwendigen Mittel bereitstellen, die 1. dazu notwendig sind, den Auftrag auch durchführen zu können und die 2. dazu geeignet sind, für einen ausreichen Schutz der Jungs dort zu sorgen. Beides wird von kompetenter Seite immer wieder als nicht ausreichend beklagt. Solch eine Politik, die zwar einerseits die Verbündeten nicht vor den Kopf stoßen will, aber dann nicht die zur Umsetzung notwendigen Maßnahmen auch trifft, nenne ich zynisch. Oder wie du es genannt hast: “hauptsächlich stört diese inkonsequente „Hottehüh“ Mentalität”.

    P.S.: die Kommentarfunktion bei dem Beitrag “Linker Antisemitismus” ist wieder geöffnet.

  12. Michael Kostic sagt:

    @Aki Arik

    Das schlimme an dieser Sache ist, dass hier, durch eine offensichtlich wankelmütige Tagespolitik Menschen zu Schaden kommen, die sich dagegen noch nicht einmal durch legale Mittel zur Wehr setzen können. Nicht zuletzt deshalb, weil für solcherlei Handeln niemand bereit ist die Verantwortung zu übernehmen.

    Das schafft bei den Betroffenen auf allen Seiten Frustration und die Erkenntnis, dass Demokratie eben lediglich dazu geeignet scheint, sich militärisch selbst zu verteidigen. Ein solcher Einfluss in der Aussenwelt also kaum umsetzbar scheint.

    Dies wiederum geht direkt gegen die menschliche (nicht männliche) Psyche, welche „den Angriff“ auf das selbst fürchtend, lieber offensiv agiert.

    Korrigiere mich wenn ich mich irre, aber hatte nicht schon Platon festgestellt, dass jede Demokratie zwangsläufig in Diktator mündet? Vielleicht hatte er Recht, vielleicht lebte er aber auch in keiner echten Demokratie ;-)
    Gruß

  13. Jörg Friedrich » Was tun in Afghanistan sagt:

    […] Nachdenken über die Frage, was zu tun ist, fällt auf, dass uns die Ziele, die wir in Afghanistan verfolgen, […]

  14. Vogel sagt:

    @Jörg

    - weil dort das Drogenproblem an der Wurzel bekämpft werden kann.

    Wie kommst Du auf dieses schmale Brett. Seit wann kann das Drogenproblem beim Produzenten “an der Wurzel” bekämpft werden?

    Ich harre Deinen Hinweisen!

    Beste Grüße
    Vogel

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