“Obama hat was”…

usa.jpgWenn man mit Verwandten in den USA spricht, kann man oft hören: “Obama hat was”. Unabhängig davon, welchem der Kandidaten letztlich die Stimme gegeben wird, verkörpert der charismatische Demokrat für sehr viele, über alle Parteien hinweg, am überzeugendsten den ersehnten “Change”, den Wechsel in der amerikanischen Politik.

hillary-clinton.jpgAber - hatte es zum Schluss der Clinton Ära nicht ganz ähnliche Hoffnungen auf einen Neuanfang gegeben? Nach all den damaligen Auseinandersetzungen um die Äffairen dieses Präsidenten? Es ist durchaus möglich, dass diese alte Geschichte nun auch für dessen Frau zu einem Hindernis auf ihrem Weg ins Präsidentenamt werden könnte. Nicht wenige im teilweise sehr konservativen Amerika stellen die Frage, wie Bill Clinton sich denn diesmal im “White House” benehmen würde.

barack-obama.jpgAuch wenn die Positionen der beiden demokratischen Bewerber auf vielen Gebieten ähnlich sind, steht Obama bereits mit seiner Person für den Anspruch, das in den letzten Jahren, trotz Wirtschaftswachstum, immer weiter gespaltene Land wieder zu einen: “Es gibt kein schwarzes und kein weißes Amerika, es gibt nur die Vereinigten Staaten von Amerika. Wir sind ein Volk”.

Barack Obama setzt in diesem Wahlkampf stärker auf die Wirkung seiner Person als auf eine eindeutige Positionierung. Dadurch könnte auf der anderen Seite aber auch er von allen Kandidaten der sein, der am schnellsten seine Politik nach dem Ende der Wahl an die neuen innen- und außenpolitischen Spielräume anpasst. Erstaunlich ist in diesem Zusammenhang, dass Hillary Clinton, die sich vor allem auf außenpolitischem Gebiet wesentlich deutlicher festgelegt hat, trotzdem größere Schwiegrigkeiten zu haben scheint, dafür auch die nötige finanzielle Unterstützung zu bekommen. Insgesamt scheint sich meine Einschätzung zu bestätigen, dass in den USA der Kandidat die größten Chancen hat, der es am besten versteht, als Projektionsfläche für die unterschiedlichen Schichten und Gruppen zu dienen.

Auch in den USA dienen Wahlkämpfe vor allem der Mobilisierung der Wähler. Und immer weniger dazu, auch eine 1:1-Vorlage für die spätere Regierungspolitik abzugeben. Ob es unter einem neuen Präsidenten also tatsächlich zu einer grundlegenden Änderung, insbesondere in der Außenpolitik kommen wird - eine Frage an der vor allem auch Europa ein vitales Interesse hat - wird sich erst zeigen müssen.

Während der Ära Bush II. hatte mich gelegentlich folgende Frage beschäftigt: Sollte es nicht möglich sein, einen Präsidenten, dessen Politik einen nicht unerheblichen Einfluss auch auf andere Länder hat, zumindest zu einem kleinen Teil auch von Menschen außerhalb der USA wählen zu lassen?

Eine ernsthaftere Frage ist allerdings die danach, was uns eigentlich tatsächlich unter dem zukünftigen US-Präsidenten erwartet? Wen würden wir wählen? Welcher Kandidat kommt unseren Interessen am nächsten?

5 Kommentare zu ““Obama hat was”…”

  1. DDH sagt:

    http://polizeros.com/2008/02/11/ron-paul-supporter-goes-for-obama/

    Auch Ron-Paul-Anhänger wählen eher Obama als McCain!

  2. Aki Arik sagt:

    Aha. Die statistische Basis für deine Aussage ist mit diesem einen Link zwar etwas mager ;-) Aber wie dem auch sei. Die Unterstützung Obamas von Seiten der Ron Paul Anhänger gründet sich ja anscheinend vor allem auf eine gewisse Übereinstimmung der beiden Kandidaten bei einem Thema bzw. auf eine Hoffnung: “The war is a primary reason why … Let’s hope Obama genuinely believes this and will end the war.
    Dir dürfte aufgefallen sein, dass ich es mir nicht zutrauen würde, darauf zu wetten, wie sich ein evtl. Präsident Obama nach gewonnener Wahl verhalten wird: “Dadurch könnte auf der anderen Seite aber auch er von allen Kandidaten der sein, der am schnellsten seine Politik nach dem Ende der Wahl an die neuen innen- und außenpolitischen Spielräume anpasst.

  3. Michael Kostic sagt:

    Hallo,

    Zu Obama selbst:

    Ich hoffe nach wie vor, dass er weder aufgestellt noch zum Präsidenten gewählt wird. Ich mag den Knaben (einfach ein sympathischer Mensch). Aber mit der Hautfarbe sind seine Chancen lange lebend in Amt und Würden zu bleiben m.E. nach extrem gering.

    Zu der Idee mit der Wahl und dem was aussteht:

    Ich denke mal wir haben derzeit kaum die Möglichkeit uns in die Wahl für Amtsträger in anderen Ländern wirklich produktiv einzubringen. Woher sollten wir all die Informationen nehmen die es hierzu eigentlich wirklich braucht? Von Fox News?

    Und in Bezug auf das was uns noch bevor steht, muss man einfach sachlich feststellen, dass dies in direktem Zusammenhang damit steht, wie sich die weltweite Informationslandschaft in den nächsten Jahren entwickeln wird. Unerheblich dessen welche Namen die zukünftigen Präsidenten der USA tragen, unerheblich welche politischen Ideen sie verfolgen. Sie oder er muss seine Handlungen darauf abstimmen, in welchem Rahmen die öffentliche Meinung nachhaltig manipuliert werden kann, oder eben auch nicht. Insofern muss man halt sein Augenmerk darauf richten was mit der amerikanischen Öffentlichkeit möglich ist und was nicht. So kann kalkuliert werden was uns erwarten wird.

    Gruß

  4. Aki Arik sagt:

    @ Michael:

    Aber mit der Hautfarbe sind seine Chancen lange lebend in Amt und Würden zu bleiben m.E. nach extrem gering” - Na, meinst du nicht auch, wenn er es bis dahin geschafft hat, wird er auch mit dieser Gefahr schon klar kommen, oder? ;-)
    Zu deinem dritten Absatz: “…in welchem Rahmen die öffentliche Meinung nachhaltig manipuliert werden kann…”

    Ich glaube weder, dass sich “die Öffentlichkeit”, die Gesellschaft, in dem Maße manipulieren lassen, wie es oft, z.B. von Verschwörungstheoretikern dargestellt wird - noch glaube ich, dass es k e i n e Versuche in dieser Richtung gibt und diese nicht durchaus auch immer wieder Erfolg hätten.

    Ich glaube, dass es immer Menschen, Firmen, Gruppen geben wird, die die Gesellschaft und die Politik in ihrem Sinne beeinflussen wollen - und ich glaube, dass dazu immer auch die Gegenkräfte erstehen.

    Ich glaube weder, dass der US-Präsident der “starke Mann” ist, den manche in ihm sehen. Noch glaube ich, dass er nur eine Marionette in der Hand finsterer Lobbygruppen ist.

    Ich glaube, dass es starke und dass es schwache Präsidenten gibt. (Ich hoffe Obama wäre ein starker Präsident). Die Schwachen lassen sich stärker beeinflussen, die Starken behalten die Kraft, das, wofür sie einst standen, auch Stück für Stück umzusetzen.

    Ich glaube weder, dass die Welt schwarz noch dass sie weiß ist, sondern vielfältig und oft kompliziert ist. Ich glaube, dass wir unseren Beitrag dazu leisten können, Licht in dunkle Ecken zu bringen und gegen vereinfachende Vorurteile anzugehen (hier ein ausdrücklicher Dank an Jörg Friedrich für seine letzten wirklich guten Beiträge).

    Und ich glaube, du hast das alles schon mal besser formuliert, als ich jetzt.

  5. Michael Kostic sagt:

    @Aki Arik:

    Ach, ich hoffe es ja auch für Obama. Ich halte den Mann für charakterlich sehr stark, denn er rechnet garantiert auch mit der Möglichkeit seines gewaltsamen Ablebens.

    Was die Sache mit der Information angeht, hast Du mich vollkommen falsch verstanden. Es geht dabei tatsächlich weder um diese sog. Verschwörungstheoretiker (sind wir das nicht alle uns selbst gegenüber?), noch um die ganz realen Lobbyisten (das sind wir definitiv allesamt). Es geht um die Art und Weise wie Informationen produziert, verbreitet und de facto als Handlungsgrundlage ge- bzw. missbraucht werden. Da es noch immer keine wirklich unabhängigen Medien gibt, solltest auch Du anerkennen, dass hier noch viel Raum für Spekulation und Handeln existiert.

    Schau dir doch bloss an, was Bush Jr. mit seiner medialen Panikmache erreicht hat. Jeder halbwegs gebildete Mensch weiss warum US-Truppen im Irak stehen, hätte schon damals wissen können, warum sie dort hin gingen. Und dennoch schafften es die Medien diesen Akt der militärischen Grausamkeit als notwendigen, zwingenden Schritt darzustellen. Hätte Bush so handeln können wie er gehandelt hat, wenn die Masse der Medien seiner Nation, oder auch die im Rest der Welt, solcherlei freimütig geäußertes Ansinnen, auf das schärfste vorverurteilt hätten? Wohl kaum.

    Gruß

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