Türkische Schulen in Deutschland - Vorteil für die Integration?

Am Rande der Trauerfeier für die Opfer der alevitischen Familie, die bei der Brandkatastrophe in Ludwigshafen umgekommen waren, hatte der türkischen Premierminister Recep Tayyip Erdogan vorgeschlagen, in Deutschland türkischsprachige Gymnasien zu gründen. Damit hat er eine rege Diskussion in der Bevölkerung angestoßen. In den meisten Parteien ist der Vorschlag vorerst auf Protest gestoßen. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Lale Akgün z.B. meinte: „man wolle keine Kinder, die körperlich in Deutschland und geistig und seelisch in der Türkei lebten“. Auch die Integrationsbeauftragte Maria Böhmer und der SPD-Chef Kurt Beck lehnten Erdogan`s Vorschlag ab.

Viele befürchten, dass eine Parallelgesellschaft gefördert und die Integration erschwert würde. Wäre dem tatsächlich so? Oder könnten türkische Schulen und Universitäten zur besseren Integration beitragen? Je unaufgeregter und pragmatischer an diese Fragen herangegangen wird, desto eher können die unbestreitbaren Defizite des bestehenden Systems angegangen werden, um die schulischen und später beruflichen Erfolge der Einwanderer zu erhöhen.

Der Schlüssel zur Integration ist die Bildung. Wie erfolgreich ist der bestehende Weg, Einwandererkindern zu erfolgreichen Schulabschlüssen zu verhelfen? Nach der letzten Pisa-Studie sind die Bildungschancen für Einwandererkinder an deutschen Schulen schlechter als in anderen Ländern. Die Folge ist eine schlechte Integration in die deutsche Gesellschaft und Arbeitswelt. So lange immer noch so viele Kinder der 2. oder 3. Einwanderergeneration nur mit Hauptschulabschluss oder ganz ohne Abschluss in ihr Leben gehen, stimmt hier etwas nicht. Was sind die Gründe für dieses schlechte abschneiden?

Sind muttersprachliche Schulen ein Weg zu mehr Bildung und Chancen für Einwandererkinder oder verstärkt dies eher einen Trend zur Parallelgesellschaft? Wie könnte der Unterricht an solchen Schulen konkret aussehen? Sind das Vorbild die bereits bestehenden mehrsprachigen Schulen und Internate, oder würde der Unterricht nur auf türkisch und nach dem Lehrplan des türkischen Erziehungsministeriums stattfinden? Können muttersprachliche Schulen die Ängste von Einwanderern vor einer Assimilation abbauen? Was steckt hinter diesen Ängsten? All dies sind Fragen, die geklärt werden müssen, bevor eine vorschnelle Ablehnung oder Zustimmung erfolgen sollte.

13 Kommentare zu “Türkische Schulen in Deutschland - Vorteil für die Integration?”

  1. S.T.Tick sagt:

    Sehr informativ der taz-Artikel. Von der Existenz griechischer Gymnasien in Deutschland wusste ich bisher nicht. Ich frage mich aber schon länger, warum Unsummen in bilinguale Zweige an deutschen Gymnasien investiert werden (ein Angebot, das sich vornehmlich an die deutsche Mittelschicht richtet), aber der muttersprachliche Unterricht nach wie vor stiefmütterlich behandelt wird.

    Mehrsprachigkeit ist also bloß “netter Luxus” (so die Kontra-Position im Artikel)? Tatsächlich? Im mehrsprachigen Europa? Das glaube ich genauso wenig wie die Eltern, die ihre Kinder auf bilinguale Schulen schicken. Leider zeigt das Angebot (meist Englisch, Französisch, Spanisch) mal wieder das Prestigegefälle zwischen Sprachen.

    Man sollte bilinguale Schulen auch für türkisch einrichten, die Erfahrung mit den anderen Sprachen zeigt ja, dass es sehr erfolgreich ist. Allgemein sollte man mehr Gelder in die Verbesserung des “muttersprachlichen” Unterrichts (unglückliches Wort, schließlich haben die Kinder zwei Muttersprachen) investieren. Ich finde es - neben all den integrations- und sonstwaspolitischen Fragen - einfach nur schade, so eine Gabe, die die natürliche Zweisprachigkeit ja ist, nicht oder unzureichend zu fördern.

  2. Traumtaenzer sagt:

    dem stimme ich entschieden zu!
    Schoene Gruesse aus CR!

  3. Aki Arik sagt:

    @ S.T.Tick:
    danke für deinen sachlichen und konstruktiven Kommentar. Deiner Sichtweise „…mehr Gelder in die Verbesserung des “muttersprachlichen” Unterrichts, … schade, so eine Gabe nicht oder unzureichend zu fördern…“ kann ich nur zustimmen. Ich denke diejenigen, nicht nur aus den Parteien, die sich bisher allzu reserviert zu den Anregungen Erdogan`s verhalten haben, sollten ihre generelle Ablehnung noch einmal in Ruhe überdenken, sobald sich die Wogen geglättet haben. Spracherwerb und besonders auch die staatliche Förderung der Muttersprache sind nicht nur eine Frage der Kommunikationsfähigkeit, sondern auch eine der eigenen Identität. Von daher sind die Ängste vieler Einwanderer vor einer ungewollten Assimilation verständlich. Die bislang geäußerten Bedenken der deutschen Politiker halten m. E. einer abgewogenen Prüfung nicht stand. Stattdessen vermute ich, dass die aktive Bereitschaft zu einer Integration umso leichter fällt, desto umfassender die eigene Persönlichkeit gelebt werden kann.

    @ Traumtaenzer:
    Grüße zurück ;-)

  4. Jörg Friedrich sagt:

    In einem Land wie Deutschland, in dem eine einzelne Sprache ganz dominant ist, werden die meisten Informationen in dieser Sprache kommuniziert: Rundfunk, Zeitungen, Formulare, Prospekte von Bürgerinitiativen, Lautsprecherdurchsagen, Fahrpläne, Belletristik und Fachliteratur, Beschriftungen in Museen, Behördenbriefe, Vorlesungen an Universitäten, Unterricht an weiterführenden Schulen. Um den türkischen jungen Menschen bei muttersprachlicher Schulbildung eine wirkliche Chance auf freie Entfaltung zu geben, müsste Deutschland zum zweisprachigen Land werden - und das ist schlicht nicht leistbar. Deshalb muss sich der staat darauf konzentrieren, dass die Kinder gut deutsch lernen, denn das ist die Sprache für jeden Schritt in der Gesellschft.

  5. Aki Arik sagt:

    @Jörg:

    der erste Teil deines Kommentars beschreibt eine Tatsache. Ob sich daraus der zweite Teil deiner Antwort zwingend ableiten lässt, bezweifle ich. Ich möchte das wie folgt verdeutlichen:

    Das Beherrschen der existierenden Verkehr- oder Amtssprache des Staates in dem man seinen Lebensmittelpunkt hat, ist entscheidend den persönlichen Erfolg in diesem Staat. Von daher ist die deutsche Sprache für alle Einwanderer in Deutschland nicht nur der Schlüssel zur Integration, sondern auch zur Kommunikation der verschiedenen Menschen untereinander. Ich denke diese Auffassung ist mittlerweile Allgemeingut.

    Sprachkompetenz dient aber eben nicht allein der Kommunikation, sondern Sprache ist auch ein Teil der eigenen Identität und Persönlichkeit. Darauf zielt der Hinweis Erdogan`s bzgl. der Assimilations-Angst vieler Einwanderer (dazu kann vielleicht Traumtänzer noch was beitragen - bitte nicht auf spanisch ;-) )

    Ob man jetzt dem vorherigen Punkt persönlich zustimmen mag oder nicht – für mich ist es einfach auch ein Akt gegenseitigen Respekts, diesen Wunsch ernst zu nehmen.

    Meiner Meinung nach ist es nun nicht die alleinige Aufgabe der Familien, Sprache an ihre Kinder weiterzugeben, sondern dies ist darüber hinaus auch eine öffentliche Aufgabe. Wenn dies für deutsche Kinder gilt, warum soll das nicht genauso für z.B. türkische Kinder auch gelten?

    Eine öffentliche Förderung der Muttersprache, auch die der Einwanderer, dient m. E einer erfolgreicheren Integration - durch erfolgreichere Immigranten. Es geht nicht um eine Zwei- oder Mehrsprachigkeit im öffentlichen Raum, sondern um die Anerkennung und Förderung der individuellen Persönlichkeit eines jeden Menschen. Und die beinhaltet in den Fällen, die wir jetzt besprechen, eben das Glück oder die „Gabe, die die natürliche Zweisprachigkeit ja ist…“, wie S.T.Tick treffend anmerkt. Mir ist bewusst, dass dies nicht umsonst zu haben ist, aber sollten wir nicht bereit sein, im Interesse eines dauerhaften friedlichen Zusammenlebens, dies zu tragen?

  6. Michael Kostic sagt:

    Hallo,

    In meinen Augen ist nach wie vor illusorisch es zu unternehmen Menschen die hier geboren wurden, fast schon mit Gewalt, an die Wurzeln ihrer Vorfahren zu binden. Geschähe dies auf der Basis der Freiwilligkeit, wäre dagegen ja nichts einzuwenden, aber dem ist halt beobachtbar meist nicht wirklich so. Meine Kinder z.B. haben einfach keine Lust „richtig“ Serbisch (oder gar Hebräisch) zu lernen. Bilingual sind sie dennoch, schon durch die gegebenen verwandtschaftlichen Verflechtungen. Im überwiegenden Rest meiner Verwandtschaft, werden die Kinder auf die jeweiligen Sprach und Kulturschulen geschickt, und dabei nicht einmal gefragt ob sie dies wirklich wünschen.

    Und wenn wir bei aller Kulturverbundenheit sachlich die gegebene Realität betrachten, muss auch die Frage gestattet sein: „Wem nutzt es wirklich?“

    Wozu sollen meine Kinder ihre wertvolle Jugend mit sprachlich/kulturellen traditionsbezogenen Zusatzunterricht verbringen? Die treffen sich doch viel lieber mit ihren Freunden aus der Schule, anstatt dafür zu lernen, wie sie sich mit der zigtausend Km entfernten Verwandtschaft verständigen können. Wenn die mal auf Besuch kommen, dann reicht es noch immer für den sog. Smalltalk. In die Tiefe geht das eh nie, was uns „Halbirgendwasse“ hier in Deutschland bewegt, interessiert die Verwandtschaft sowieso nicht.

    Wenn ich mir da so den Rest meiner aktuellen Verwandtschaft ansehe, die ja weidlich ihre Traditionen, Sprachen und Kulturen pflegen. Fällt mir immer wieder auf, dass sie nicht in Deutschland/Österreich leben, sondern sozusagen nebenher. Das deren Kinder die wirklichen Leidtragenden sind, interessiert sie wenig. Eben blank ignorant. Ein Bsp.:

    Teile meiner angeheirateten Verwandtschaft sind griechisch Orthodoxe. Deren Kinder gehen auf deutsche Schulen und nehmen an zusätzlichem Sprach- und Kulturunterricht teil. Und wenn sich deren Kinder mit meinen Kindern unterhalten, dann heulen die regelmäßig rum wie elend das alles sei. Die hassen ihre Eltern dafür. Weihnachten (unser kleines germanisches Baumfest)? Nix da, erst im Januar, wenn die Gesprächsthemen unter Jugendlichen längst gewechselt haben, und dann auch ohne Kommerziellen Hintergrund. Sie werden ganz offensichtlich mit Gewalt aus der Lebensgemeinschaft gerissen, deren Teil sie eigentlich sein wollen. Fussball spielen mit den Klassenkameraden? Auch nicht, die Sprachschule wartet. Und von meiner Blutlinie fange ich da gar nicht erst an, ein echtes Trauerspiel der inneren und äusseren Zerrissenheit. Nie irgendwo wirklich zuhause, nie irgendwo gänzlich fremd.

    Die Nachfahren der Migranten (egal woher), aus billigen politischen Gründen, dazu zu verurteilen regelrecht haltlos durch Gesellschaften zu treiben, die wenigstens eine feste Kultur, eine feste Sprache ihr eigen nennen. Das ist die wahre Sünde an der betroffenen Jugend. Es ist unmenschlich, ja ich würde sogar soweit gehen zu sagen:

    „Das ist wahre Fremdenfeindlichkeit!“

    Denn an den Nachwuchs, dessen Wünsche und Träume, deren geistige, seelische wie wirtschaftliche Zukunft, in einem geeinten Europa, denkt wie immer niemand.

    Gruß

  7. S.T.Tick sagt:

    @Jörg:
    um Aki Ariks detaillierte Antwort (der ich absolut zustimme) um eine fremdsprachendidaktische Anmerkung zu ergänzen: Es ist ein weit verbreitetes Vorurteil, dass die Förderung der “zweiten” (ich wehre mich immer noch gegen die Unterscheidung “Muttersprache” und “deutsch”: zweisprachig sein heißt ZWEI Muttersprachen zu haben) die Sprachkompetenz in der “ersten” Sprache beeinträchtigt. Viele glauben, unser Sprachenspeicher funktioniere wie eine Festplatte: Mehr Platz für Türkisch = weniger für deutsch. Das ist schlichtweg falsch.

    Es ist nicht einmal so, dass die Sprachen, die wir beherrschen, ganz unabhängig voneinander gespeichert werden. Es gibt viele Querverbindungen, lexikalischer und strukturaler Natur, aber auch bezüglich des “Metawissens” darüber, wie Sprachen funktionieren und wie man sie am besten lernt. Die negativen Wechselwirkungen sind gering im Vergleich zum Nutzen, den diese Querverbindungen mit sich bringen. Je mehr Sprachen wir beherrschen, desto besser wird unsere Srachkompetenz in allen unseren Sprachen und unsere Fähigkeit, mit Sprachen umzugehen. Wer ein paar Sprachen aus der gleichen Sprachfamilie spricht, kennt den Effekt nur zu gut und nutzt ihn systematisch aus.

    Also, man muss sich nicht GANZ darauf konzentrieren, dass die Kinder gut Deutsch lernen. Sie können gut deutsch lernen UND gleichzeitig gut türkisch. Dazu muss nicht gleich ganz Deutschland zum zweisprachigen Land werden.

  8. Aki Arik sagt:

    @ Michael:

    Ich nehme an, mit deinem “mit Gewalt, an die Wurzeln ihrer Vorfahren zu binden“, meinst du die elterliche Gewalt? Klar, da gebe ich dir natürlich Recht. Vor allem je älter die Kinder werden, desto mehr kannst du es vergessen, sie zu irgend etwas zu zwingen. Ob das nun ein gemeinsamer Ausflug (”Bäh laaangweilig”), das Klavierspielen oder sonstwas ist (”man, ihr seid sowas von peinlich”).

    Auch die Kinder zu einer Sprache zwingen zu wollen, geht garantiert nur nach hinten los (ich musste Latein lernen - na super ;-) . (Da gibts doch dieses tolle Gedicht: “deine Kinder gehören nicht dir…” - oder so ähnlich).

    Das war aber auch nicht die Intention meines Beitrages. Mir geht es eher darum, die staatlichen Angebote für eine zweite Muttersprache (@ S.T.Tick: danke für den wichtigen Hinweis) bereit zu halten - wenn dies eben von den Familien gewünscht wird.

  9. Aki Arik sagt:

    @ S.T.Tick :

    Die negativen Wechselwirkungen sind gering im Vergleich zum Nutzen, den diese Querverbindungen mit sich bringen.” Danke für die interessanten Informationen. Wenn ich mich richtig erinnere, glaube ich mal eine Untersuchung gelesen zu haben, nach der Kinder die von klein an mit zwei Sprachen aufwachsen, auch in den anderen Schulfächern die besseren Noten haben.

  10. Michael Kostic sagt:

    @Ari Arik:

    „Mir geht es eher darum, die staatlichen Angebote für eine zweite Muttersprache (@ S.T.Tick: danke für den wichtigen Hinweis) bereit zu halten - wenn dies eben von den Familien gewünscht wird.“

    Vollkommen richtig. Das sollte eigentlich selbst verständlich sein in einem Land, das mitten in Europa liegt. Aber dazu müssen weder neue Schulen gebaut, noch deutlich separierende Kulturzentren eingerichtet werden. Das Vereinsrecht bietet für (fast) jede Kultur genügend Raum zur Entfaltung (von selbigem übrigens hier in der Hauptstadt weidlich Gebrauch gemacht wird).

    Aber was mich bewegt ist die Frage die hierbei in den Hintergrund gedrängt wird:

    1. Wer ist diese „Die Familie“, die dies wünscht?

    a) Die Kinder?
    b) Die Eltern?
    c) Die Verwandtschaft in der Ferne?

    Meine Erfahrung ist halt, nicht erst seit meiner Heirat in zwei weitere Kulturkreise, dass Eltern ihre Kinder zum Besuch von Sprach- und/oder Kulturschulen zwingen. Oft in der irrigen Hoffnung der eigene Nachwuchs würde sich durch solcherlei Bildung dem eigenen (dem der Eltern) Kulturkreis verbundener fühlen. Kennst Du das Wort Kulturdruck? Das ist es nämlich was mit dieser Art der öffentlichen Diskussion weiter verstärkt wird. Wie soll den ein junger Mensch zu irgendwelchen Wurzeln finden, wenn er gleichzeitig ein guter Deutscher, Türke und Europäer sein soll? Nein. Der Weg darf nicht sein, noch mehr Schulen für noch mehr Kulturkreise zu errichten. Der Weg muss sein, dass vorhandene Bildungssystem endlich an die hiesigen Gegebenheiten anzupassen. Sprich endlich zu akzeptieren, dass Deutschland eben zwingend ein „Multikultiland“ im Herzen Europas ist. Ich denke es wäre ein großer Schritt in die richtige Richtung in Regionen, in denen nun einmal z.B. viele Türken leben, in den allgemein bildenden Schulen zusätzlichen Sprach und meinetwegen auch Kulturunterricht anzubieten. Was ist dran so schwer?

    Immer müssen es sich alle so kompliziert machen ;-)
    Gruß

  11. Aki Arik sagt:

    @ Michael:

    Danke für deine wichtigen Anregungen. Ich schätze auf den von dir genannten Vorschlag “…es wäre ein großer Schritt… in den allgemein bildenden Schulen zusätzlichen Sprach… -unterricht anzubieten”, wird es letzlich auch hinauslaufen

    Na, so kompliziert war es dann doch gar nicht ;-)
    Die Rede Erdogans habe ich jetzt übrigens auch verlinkt.

  12. Michael Kostic sagt:

    Wie ging gleich der Spruch?:

    “So hör ich deine Wort wohl, doch Glauben, wahrhaft Glauben, kann ich’ nicht…!”

    Sie werden es sich kompliziert machen! Sie können gar nicht anders ;-)
    Gruß

  13. Karl sagt:

    Ich freue mich außerordentlich darüber, daß hier ein solches Thema nicht nur sachlich, sondern sogar freundlich debattiert wird.

    Meine Ansicht zu der gesamten Migrationsdebatte ist ambivalent, und zwar von den einfachsten Grundlagen bis zu der jetzt aktuellen Frage nach türkischen Schulen in Deutschland.

    Zunächst bin ich der Ansicht, daß wir zuviel Zuwanderung geduldet haben. Deutschland hat eine der höchsten Bevölkerungsdichten der Welt und kaum Rohstoffe, also denkbar schlechte Verhältnisse für ein Einwanderungsland. Andererseits empfinde ich es als sehr angenehm, in einer offenen Gesellschaft zu leben, ich liebe die mediterrane Küche und esse sehr viel lieber einen guten Döner als eine langweilige Bratwurst oder diese widerwärtigen McDonalds-Bratlinge.

    Nun haben wir Zuwanderer im Lande, jetzt ist es an uns, sie auch als Menschen zu akzeptieren, und zwar mit ihrer Kultur. Dazu ist es keineswegs notwendig, daß wir unsere eigene Kultur verleugnen. Die polarisierenden Machwerke sogenannter Publizisten wie Broder oder Ulfkotte finde ich widerlich. Es gibt durchaus Unterschiede zwischen Toleranz und Selbstaufgabe, auch wenn weder Broder noch Claudia Roth das jemals verstehen werden.

    Ähnlich zwiespältig sehe ich die Asyldebatte. Ich kann nicht einsehen, warum ein Revoluzzer, der in seiner Heimat nicht zurecht kommt, hierherkommen darf, während ein armer Kerl, dem zu Hause der Hungertod droht, ein pöhser Wirtschaftsasylant ist.

    Zurück zum Thema Schule:
    Es gibt keine vernünftigen Einwände gegen türkische Schulen in Deutschland. Es gibt bereits ausländische Schulen in Deutschland und Deutschland unterhält jede Menge deutsche Schulen im Ausland. Warum also keine türkische Schule in Deutschland?

    Problematisch finde ich eher die Gestaltung dieser Schule. Bezeichnenderweise spricht über diesen eigentlich wesentlichen Punkt niemand. Wenn eine konservative Regierung Erdogan Lehrplan und Lehrkräfte für Schulen in Deutschland auswählt, fällt es mir schwer, bei meiner obigen Ansicht zu bleiben. Auch wenn es dafür keine juristische oder moralische Rechtfertigung gibt.

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