Diese Drohung zieht bei mir nicht mehr
Das Ende ist absehbar. Bald ist mein 1-monatiges Fahrverbot rum - und ich muss sagen, so richtig abschrecken kann mich so was jetzt nicht mehr. Nach dem man sich als Kreativarbeiter daran gewöhnt hat, pünktlichst statt flexibel zu sein; es dich irgendwann nicht mehr aufregt, wenn du am Bahngleis plötzlich feststellt, dass abends nur jede Stunde ein Zug von der Arbeit nach Hause fährt; du nach Wochen erfährst, dass eine andere Fahrkartenversion viel billiger gewesen wäre - wenn du das alles hinter dir hast, ist es ohne Auto eigentlich recht entspannend. Die Drohung “Fahrverbot” hat ihre Wirkung bei mir verloren.
Tja - und während einer Zugfahrt hat man auch mal Zeit für so Fragen wie: “Ist es eigentlich immer so, dass unsere Befürchtung, oft auch Ängste, vor dem, was uns erwarten könnte, viel größer sind als das, was dann tatsächlich auf uns zukommt?” Ich denke da z.B. nur an meine Prüfungen oder Referate in der Schule oder im Studium. Was hatte ich da nicht oft für Ängste - und dann war alles halb so schlimm. Aber nicht nur in den Schulen kennt man die Angst vor dem, was einem bedrohlich werden könnte. Auch andere gesellschaftliche Großinstitutionen, wie die Kirchen - haben die nicht auch früher einmal mit der Angst und der Androhung ewiger Strafen gearbeitet?
Wie ist das eigentlich in der Kindererziehung? Ist die “Angst” vor z.B. einem Fernsehverbot, die Drohung damit, nicht viel überzeugender, als es dann auch tatsächlich zu verhängen? Haben die Kids, wenn es denn wirklich ausgesprochen wird, nicht schon längst eine viel interessantere Beschäftigung entdeckt? Oder wäre es inkonsequent, eine Drohung nicht auch wahr zu machen? Und wie verhält sich das dann in der Politik? Wäre es z.B. vor dem Irak-Krieg nicht besser gewesen, die Drohkulisse einfach weiter aufrecht zu erhalten, als die Drohung auch umzusetzen? Oder funktioniert das nur bei Menschen wie mir, die grundsätzlich bereit sind, sich an Regeln zu halten? Ich weiß es nicht. Was meint ihr dazu?
Vielleicht sind ja auch die Aliens, wenn sie denn einmal wirklich durch unsere Strassen spazieren, viel harmloser, als es uns jetzt unsere Fantasie oder Science-Fiction Thriller vorgauckeln?










Freitag 15. Februar 2008 um 17:32
Wow, ein Berg von Fragen.
Ich nähere mich diesem mal aus der Richtung Angst:
Angst selber funktioniert nur dann, wenn durch Drohung ein Verlust suggeriert wird. Auch der Verlust der körperlichen und/oder geistig/seelischen Unversehrtheit gehört dazu. Allerdings muss das Ziel der Drohung zuvor im Eigenverständnis etwas Werthaltiges zu verlieren haben. Ein Mensch der z.B. gegen ihn gerichtete Gewaltanwendung in keiner Hinsicht fürchtet, wird hier also auch nicht durch Drohungen zu Handlungen zu bewegen sein. Selbiges gilt natürlich im übertragenen Sinn auch für Konsum- und/oder Luxusgüter.
Wenn ich also einen Menschen durch Angst vor dem Verlust zu Handlungen animieren will, muss ich im Vorfeld sicherstellen, dass er auch wirklich etwas zu verlieren hat
Die Sache mit der Konsequenz ist immer schwierig. Wer sie zum Lebensinhalt erhebt, wird schnell sozial absolut inkompatibel, wer sie zu stark ignoriert kommt am gleichen Punkt an. Vergleiche hierzu auch die Kernproblematik der sog. Strafjurisdiktion: „Harte Strafen, produzieren harte Verbrecher. Wenig Strafen produzieren massenhaft Regelverstöße!“ Hierbei ist schlicht das Grundkonzept irrig.
Ich habe das an anderer Stelle in diesem Geist definiert:
„Wir sollten uns weniger Gedanken darüber machen, wie viel Inkonsequenz tatsächlich möglich ist. Wir sollten uns mehr Gedanken darüber machen, wie konsequent wir handeln dürfen ohne dadurch Andere zu schädigen!“
Gruß