Marshall B. Rosenberg - Gewaltfreie Kommunikation
Wir Menschen haben es zwar geschafft, auf den Mond zu fliegen und die kompliziertesten Technologien wie ein Internet zu entwickeln - aber in Frieden mit sich und seinen Nachbarn zu leben, das scheint noch schwieriger zu sein.
Oft ist das Zusammenleben der Menschen bestimmt von gegenseitigen Vorurteilen und Feindbildern. Im privaten, aber auch in größeren Zusammenhängen. Durch religiösen Fundamentalismus, den Krieg im Irak und durch Terroranschläge werden weltweit wechselseitige Ängste und Vorurteile geschürt.
Eine Methode, mit der man negative Gedankenmuster, die zu Gewalt führen, auflöst und wie man gleichzeitig potentielle Konflikte in friedliche Auseinandersetzungen umwandelt, hat Marshall B. Rosenberg entwickelt.
Diese Methode der „gewaltfreien Kommunikation“, die auf einer “Sprache des Herzens” beruht, ist eine Kommunikations- und Konfliktlösungsmethode, die Rosenberg bereits in den frühen 1960ern geschaffen hat, als er in der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung gegen die Rassentrennung aktiv war. Beeinflusst ist dieses Konzept aber auch von der Humanistischen Psychologie, der Gesprächstherapie und den Überlegungen Gandhis zur Gewaltfreiheit.
Mehrere Jahre arbeitete Rosenberg an Mediationsprogrammen und Kommunikation-Trainings für die Gemeinden, die die Rassentrennung an Schulen und öffentlichen Einrichtungen überwinden wollten. 1984 gründete Rosenberg dann das Center for Nonviolent Communication in Sherman, Texas.
Seit Jahrzehnten bietet er inzwischen seine Seminare überall in der Welt an. Sein Konzept wird in Schulen, in der Psychotherapie, in Organisationen und Firmen, bei diplomatischen und geschäftlichen Verhandlungen und sogar in Krisen- und Kriegsgebieten angewandt.
Vor einigen Monaten war ich in einem Vortrag von Marshall B. Rosenberg und habe seine Gedanken und seine Methode des gewaltfreien Dialogs persönlich kennen lernen können. Das Beeindruckende an seiner Form der Kommunikation ist, dass sie sowohl im direkten Gespräch von Mensch zu Mensch eine ganz neue Sichtweise ermöglicht, aber auch in Konfliktsituationen zwischen Gruppen von Menschen hilfreich sein kann.
Rosenberg versteht die Gewaltfreie Kommunikation als einen Weg zur Verbesserung des zwischenmenschlichen Miteinanders: „Weil ich glaube, dass die Freude am einfühlsamen Geben und Nehmen unserem natürlichen Wesen entspricht, beschäftige ich mich schon viele Jahre meines Lebens mit zwei Fragen: Was geschieht genau, wenn wir die Verbindung zu unserer einfühlsamen Natur verlieren und uns schließlich gewalttätig und ausbeuterisch verhalten? Und umgekehrt, was macht es manchen Menschen möglich, selbst unter den schwierigsten Bedingungen mit ihrem einfühlsamen Wesen in Kontakt zu bleiben? Ich begann, mich mit diesen Fragen in meiner Kindheit, während des Sommers 1943 zu beschäftigen, als unsere Familie nach Detroit, Michigan, umzog. In der zweiten Woche nach unserer Ankunft brach wegen eines Zwischenfalls in einem Park ein Rassenkrieg aus. Mehr als vierzig Menschen wurden in den nächsten Tagen getötet. Unser Viertel lag im Zentrum der Gewalt, und wir sperrten uns drei Tage lang zu Hause ein. Nachdem der Rassenkrawall zu Ende war und die Schule wieder anfing, entdeckte ich, dass ein Name genauso gefährlich sein kann wie eine Hautfarbe. Als der Lehrer bei der Anwesenheitskontrolle meinen Namen aufrief, starrten mich zwei Jungs an und zischten: „Bist du ein ‚kike’?“ Ich hatte dieses Wort noch nie gehört und wusste nicht, dass es eine abfällige Bezeichnung für Juden ist. Nach der Schule warteten die beiden auf mich. Sie warfen mich zu Boden, traten und verprügelten mich.“
Rosenberg Grundgedanke ist, dass die Art, in der wir bisher miteinander kommunizieren, die Ursache für viele unnötige Konflikte ist. Im Mittelpunkt der Gewaltfreien Kommunikation steht ein Miteinander statt einer Konfrontation. Andere Menschen nicht verurteilen, sondern sich auf die Bedürfnisse und Gefühle ausrichten, die hinter den Handlungen und Konflikten stehen.
Entscheidend ist nach Rosenberg aber weniger das Erlernen einer neuen Kommunikations-Technik als vielmehr zu einer veränderten Einstellung zum Gegenüber zu kommen.










Sonntag 3. August 2008 um 11:32
Ja genau - die Sprache des Herzens ist es, die wir fördern müssen und unser eigenes Einfühlungsvermögen, das durch eigene Ängste oft arg getrübt ist und häufig mit Aggressivität übertüncht wird.
Unseren eigenen Vorurteilen können wir gar nicht entgehen, denn alles, was wir uns als “Wissen” aneignen, ist zunächst geprägt vom “Vor-Urteil” anderer - seien es Bücher, Fernsehsndungen oder sogar Klatschpresse. Man kann eigentlich nur versuchen, so kritisch wie möglich zu sein um unlautere Meinungsbildung zu erkennen und für sich nicht bösartige Vorurteile zu übernehmen. Ich selbst versuche, die “Sprache des Herzens” aus guten Büchern zu ziehen und genau zu diesem Thema gibt es haufenweise Beispiele, die ich mir aus Büchern notiere und von Zeit zu Zeit durchlese und verinnerliche:
Das abgedroschenste Beispiel(aber deshalb nicht weniger gültige) ist wohl:
“Man sieht nur mit dem Herzen gut,
das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar”
(aus “Der kleine Prinz” von Saint-Exupéry)
oder:
“Höre auf die Stimme deines Herzens.
Es kennt alle Dinge, denn es kommt aus der Weltenseele
und wird eines Tages dorthin zurückkehren…”
(aus: “Der Alchimist” von Paulo Coelho)
oder:
“… und Bildung habe ich stets geachtet,
sofern sie sich mit H e r z und G e f ü h l vereint.”
- sagt Marmeladoff, der T r i n k e r (!!!) zu Raskolnikoff, dem Studenten, in Schuld und Sühne” von Dostojewski
Mit der Kommunikations-”Technik” habe ich es nicht so sehr. Da schwingt für mich schon wieder eine Art Überlegung oder “Berechnung” dahinter. Ich bin mir aber bewusst, dass gerade mir die Technik, also eigentlich die “Überlegung” fehlt, mit Menschen manchmal richtig zu kommunizieren.
Ein Rosenberg-Seminar würde mir wohl guttun.
Danke für den Beitrag in Wilsons’s World und den Hinweis. Ich finde ihn super.
Montag 4. August 2008 um 10:59
Hallo,
“Rosenberg Grundgedanke ist, dass die Art, in der wir bisher miteinander kommunizieren, die Ursache für viele unnötige Konflikte ist.”
Hört sich wie die simpelste Sache der Welt an, nicht war? Ist es aber bei Leibe nicht…
Aus meiner Sicht beschäftigt sich das Konzept von Rosenberg nicht genug mit der Natur der Sache selbst. Er vermittelt zwar den (für Viele durchaus neuen) neutralen/objektiven Blick nach Innen, in der Bestrebung das der Äußernde sich (arg flach formuliert) fragt: “Wie möchtest/wie willst Du angesprochen werden?”, doch ob das Gegenüber dies ebenso empfindet bzw. überhaupt empfinden kann, kommt m.E. nach zu kurz. Vielleicht ist das so ein wenig wie mit Kant, wenn man ihn zu oberflächlich nimmt. Wenn ich Schmerzen positiv empfinde, sollte ich diesen “Genuss” auch meiner Aussenwelt zugestehen
Gruß
Sonntag 10. August 2008 um 18:09
@Lara: “Kommunikationstechnik” klingt schon etwas danach, als ob Dialoge dadurch “künstlicher” werden. Aber eigentlich geht es eher darum, die Fähigkeit der menschlichen Kommunikation zu entwickeln. “Entscheidend ist nach Rosenberg weniger das Erlernen einer neuen Kommunikations-Technik als vielmehr zu einer veränderten Einstellung zum Gegenüber zu kommen”
@Michael: Was verstehst du unter der “Natur der Sache (der Kommunikation?) selbst”?
Sonntag 10. August 2008 um 19:09
@Admin:
Ich dachte ich hätte dir das schon mitgeteilt
Gruß
Samstag 13. September 2008 um 13:08
Hallo,
ich habe diesen Text jetzt erst gelesen. Zum Inhalt möchte ich im Moment nichts sagen, sondern nur für den Tipp danken. Eines seiner Bücher habe ich mir mal auf die Wunschliste gepackt.
Liebe Grüße!