Warum Krieg?
Die Brücke Stari Most in Mostar - ein UNESCO-Symbol der Versöhnung
Das vergangene Jahrhundert war eines der blutigsten in der Menschheitsgeschichte. Das neue, unser jetziges Jahrhundert, warnt mit einem gewalttätigen Paukenschlag - den Terroranschlägen in New York, dem Afghanistan- und Irakkrieg - vor einer Wiederholung dieses Grauens.
„Warum Krieg?“, so lautet das Thema eines Briefwechsels zwischen Albert Einstein und Sigmund Freud.
Für Einstein, so wird in seinem Brief an Freud deutlich, war die Überwindung des Krieges eine zivilisatorische Herausforderung:
„Lieber H. Freud!
Ich bin glücklich darüber, dass ich … eine einzigartige Gelegenheit erhalte, mich mit Ihnen über diejenige Frage zu unterhalten, die mir beim gegenwärtigen Stande der Dinge als die wichtigste der Zivilisation erscheint: Gibt es einen Weg, die Menschen von dem Verhängnis des Krieges zu befreien?“
Tatsächlich ist das die eindringliche Frage, die, siebzig Jahre nach dem Brief Einsteins, immer noch nicht beantwortet ist: „Warum gibt es Kriege und gibt es einen Weg, die Menschen von dem Krieg zu befreien?“ Wobei wir heute zwar die Zeit und auch die intellektuellen Fähigkeiten hätten, uns diesem Problem zu stellen, es aber verdrängen, weil uns andere Dinge, ein neues iPhone oder Klamotten wichtiger erscheinen.
Drängend stellt sich diese Frage allerdings den Menschen, die keine Zeit haben, über eine Antwort nachzudenken, weil sie mitten drin sind im Krieg und mit der Rettung ihres eigenen Lebens beschäftigt. Z.B. den Menschen, die im Bosnienkrieg unter Verfolgungen leiden mussten, wie dies Slavenka Drakulic in ihrem Buch “Keiner war dabei” beschreibt:
“Der Befehlshaber rief die Soldaten zusammen und sagte, jetzt kämen Autobusse mit Zivilisten aus Srebrenica. Er meinte gefangene Muslime, die sich den Einheiten der Armee der Republika Srpska ergeben hätten. Wir werden sie liquidieren, sagte der Kommandeur. Das gefiel Drazen gar nicht. Nie hatten sie so einen Auftrag gehabt, aber keiner sagte ein Wort. Nur einer, Pero, hatte es sehr eilig. Aber Drazen bemerkte, dass er Schnaps getrunken hatte und wahrscheinlich alkoholisiert war. Drazen sah die Gefangenen an. Sie standen mit dem Rücken zu den Soldaten.
Ein Mann wandte sich halb zu ihnen um, als erwarte er etwas. Wollte er etwas von ihnen? Für Drazen war das widerlich, und er hatte Angst, sich übergeben zu müssen. (…)
Drazen stand am Rand des Erschießungskommandos. Sein Herz schlug immer noch heftig, als er seine Waffe auf den älteren Mann richtet, dessen Gesicht er zum Glück nicht sah. Fieberhaft wog er seine Möglichkeiten ab. Natürlich hätte er zwischen zwei Gefangene zielen können, doch die wären nachträglich exekutiert worden. (…) Nein, er musste genau zielen. Da kam der Befehl “Feuer!“, und jener ältere Mann entschwand seinen Blicken. Drazen erinnert sich nur, dass er ein graues T-Shirt getragen hatte. Er schloss die Augen und versuchte sich zu beruhigen. Doch es gab keine Ruhe. Schon standen neue Gefangene vor ihnen. Einer schrie `Ihr verdammten…´, konnte jedoch seinen Satz nicht beenden, denn schon kam der nächste Feuerbefehl. Nachdem er einmal angefangen hatte, schoss Drazen alle paar Minuten ohne nachzudenken. Er versuchte, nur auf ältere Männer zu zielen. Ihm schien, der Schaden wäre dann geringer.
Als Drazen auf seine Uhr sah, war er schockiert. Sie hatten nur fünfzehn Minuten gebraucht, um mehr als sechzig Menschen zu töten! Inzwischen war der nächste Bus schon eingetroffen. Die Gefangenen konnten nicht sehen, was sie erwartete, denn auch sie trugen Augenbinden. Drazen war froh darüber. (…) Vielleicht empfanden diese Männer nichts mehr. Aber dann sah er etwas, das ihn entsetzte. Während er auf den Kopf eines Mannes zielte, zeigte sich auf dessen Hose ein verräterischer nasser Fleck, der sich ausbreitete. Er hörte den Befehl und feuerte. Als der Mann umfiel, sah Drazen, dass er noch lebte und weiterhin vor Angst urinierte. Es war ihm so unangenehm, als wäre es ihm selbst passiert. Es hätte auch mir passieren können, dachte er, schob jedoch den Gedanken beiseite. Er war müde und wütend auf sich, auf Gojkovic, auf alle. Es war nicht Recht, alle diese Männer umzubringen. (…)
Es war später Nachmittag, und die Soldaten konnten kaum eine Pause machen. Anfangs hatte sich Drazen jede halbe Stunde unter einen Baum gesetzt und eine Zigarette geraucht. Es war eine Art Flucht gewesen. Doch jetzt mochte er nicht mehr rauchen. Seine Bewegungen wurden mechanisch. Er zielte auf jemandes Kopf und schoss. Und ehe er sich den Schweiß von der Stirn wischen konnte, kniete schon der nächste Gefangene vor ihm. (…)
Ivan bemerkte, dass Drazen blass wurde. Er bot ihm Schnaps an, hausgebrannten Slibovitz: nach ein paar Schlucken wurde ihm besser. Der Alkohol wirkte besänftigend, und er schoss eine Zeitlang lang ohne weiter nachzudenken. Während er noch einen langen Schluck nahm, beobachtete Drazen aus dem Augenwinkel, wie aus einem der Busse ein kleiner Junge stieg. Er trug keine Augenbinde, und Drazen konnte sein Gesicht sehen, obwohl er sich geschworen hatte, nicht mehr auf die Gesichter der Gefangenen zu achten. Das erschwerte ihm die Arbeit. Der Junge mochte fünfzehn sein, vielleicht auch jünger. Er war nackt bis zur Gürtellinie und seine bleiche Haut der Sonne ausgesetzt. Er musterte die Soldaten und dann die Toten auf dem Feld. Seine Augen wurden immer größer, als könne er das alles nicht aufnehmen. `Er ist doch erst ein Junge´, murmelte Drazen mehr für sich und war bemüht, nicht hinter ihm zu stehen zu kommen. Als die Gefangenen vor dem Trupp nieder knieten, hörte Drazen noch vor dem Schießbefehl die Stimme des Jungen. Mama, flüsterte er, Mama! (…) Zum zweiten Mal an diesem Tag wurde ihm so übel, dass Drazen zu den Büschen rennen und sich übergeben musste. Er brachte nur eine gelbliche, nach Alkohol riechende Flüssigkeit heraus. (…)“
Dieser wirklich beklemmend zu lesende Bericht über das Massaker von Srebrenica , führt deutlich vor Augen wie leicht doch der scheinbar dünne Firnis der Zivilisation zerbricht und Menschen die schlimmsten Verbrechen zu begehen im Stande sind.
Aber zu welcher Schlussfolgerung führt uns diese schreckliche Wahrheit? Ist die Vorstellung, Hass, Gewalt und Krieg könnten irgendwann der Vergangenheit angehören wirklichkeitsfremd und naiv? Gerade heute, nach dem Ende der großen Utopien, geben sich die meisten Menschen illusionslos abgeklärt und pragmatisch. Albert Einstein meint dazu, dass nicht nur die Gewaltbereitschaft dem Menschen eigen ist, sondern ebenso seine Empörung darüber:
„Warum empören wir uns so sehr gegen den Krieg, Sie und ich und viele andere, warum nehmen wir ihn nicht einfach hin. Der Krieg erscheint doch naturgemäß wohlbegründet, praktisch kaum vermeidbar. Ich glaube, weshalb wir uns gegen den Krieg empören, ist, dass wir als Menschen nicht anders können.“
Vielleicht ist es tatsächlich naiv, an ein Ende der Kriege zu glauben, aber vielleicht liegt gerade in dieser Naivität eine Kraft, die die Welt verändern kann. Hätten ohne eine gewisse „Naivität“ Gandhi, Martin Luther King oder Nelson Mandela ihre Erwartungen an die Welt und an die Zukunft der Menschheit durchsetzen können?
„… Würden wir glauben, dass eine totale atomare Abrüstung möglich ist, dann könnte es sein, dass es tatsächlich kommt. Aber wenn wir es nicht glauben, dann kommt es nicht…erstmal müssen wir glauben, dass Frieden möglich ist, wie Eli Wiesel es sagte. (…) Die „Lösung“ liegt nicht in der Naturwissenschaft, sie liegt nicht im Computerbereich. Sie liegt in den Herzen von Menschen.“
Joseph Weizenbaum
In welche Richtung wird sich die Welt also entwickeln? Hin zu einem friedlichen und gerechten Miteinander, oder erwarten uns größere soziale Ungerechtigkeit und neue Kriege? Haben wir als Menschen einen Einfluss auf das, was unser Leben bestimmt oder glauben wir den Beteuerungen der Mächtigen, dass wir als einzelne dagegen nichts unternehmen sollen und können? Ist die Sehnsucht nach Gerechtigkeit und Frieden eine utopische, eine infantile Vorstellung? Eine die man haben kann, wenn man noch jung ist. Aber später wenn man erwachsen ist, erkennt man, dass das alles unrealistisch ist. Ist das so? Ist es überhaupt noch möglich, etwas zu verändern, oder ist die ganze Entwicklung schon so weit fortgeschritten, dass man nur noch resignieren kann, weil man eben nichts mehr verändern kann? Vielleicht sollten wir uns heute, vierzig Jahre nach „68“, etwas bestimmtes wieder in Erinnerung rufen: „68“ hat gezeigt, dass eine grundlegende Veränderung fast wie aus dem Nichts entstehen kann und eben doch immer alles möglich ist - auch wenn diess kein leichter Weg ist. Dass es trotz all der heutigen resignierten Abgeklärtheit, immer noch sinnvoll ist, sich gegen schlechte Verhältnisse zu empören. Es nicht nur ein besseres, sondern auch ein richtigeres Leben geben muss. Dass also das, was Unveränderbar erscheint, es in Wirklichkeit nicht ist.
Photo © Senol Demir











Mittwoch 3. September 2008 um 12:07
Freut mich, das du wieder zurück bist.
Ein beklemmendes Thema mit vielen offenen Fragen. Die Entwicklung Europas nach dem 2.Weltkrieg sollte eigentlich hoffen lassen, dass Frieden auch weltwelt, in jedem Winkel der Erde möglich sein kann. Allerdings war der 2.Weltkrieg der Höhepunkt (bzw. Tiefpunkt) von Jahrtausende dauernden blutiger Auseinandersetzungen. Vielleicht brauchte es sogar dieses Exzesses, um Politiker überhaupt zum umdenken zu bringen. Und der europäische Frieden dauert gerade mal 60 Jahre, ein Blinzeln der Weltgeschichte.
Ob wir selbst einen Einfluss haben: ja natürlich, jeder einzelne ein kleines bisschen, schliesslich kommen unsere Politiker aus unserer Gesellschaft und können sich vom Willen des Volkes nicht völlig abkoppeln. Hoffnung brauchen wir und Geduld.
Mittwoch 3. September 2008 um 14:28
Hallo Fragezeichner,
danke für deine Antwort.
Ich sehe es auch so wie du, dass „ … die Entwicklung Europas nach dem 2.Weltkrieg (es) eigentlich hoffen lassen sollte, dass Frieden auch weltweit, in jedem Winkel der Erde möglich sein kann.“ Oder wie ich dies bei Jörg Friedrich geschrieben habe: „Krieg ist ein Relikt aus unserer Urzeit, und wird mit dem Fortschreiten der Zivilisation verschwinden, so wie heute Kannibalismus, Inzucht und Blutrache geächtet sind.“
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Auch wenn, wie du schreibst, hier noch einiges an Fragen offen bleibt.
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Eine behandelt Robert Misik zurecht auf seinem Blog. Wie soll z.B., ohne die Androhung eines militärischen Eingreifens von außen, vermieden werden können, dass „der nächste autoritäre Herrscher, der einen Teil seiner Bevölkerung massakrieren will, … sich vergleichsweise sicher fühlen (kann) … Es ist gut, wenn die Skepsis gegenüber der vermeintlich schnellen, einfachen militärischen Lösung wieder wächst. Aber es liegt darin auch eine Gefahr. Die Gefahr nämlich, dass die Welt beim nächsten Srebrenica wieder tatenlos zusieht.“ Denn zu den Massakern in Srebrenica hatte ja erst die Zurückhaltung und die Untätigkeit der UN-Friedenstruppen geführt.
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Weiter: was genau unterscheidet ein unilaterales und nationalistisch-militärisches Eingreifen, wie das der USA im Irak, von einer internationalen Friedensmission zum Schutz einer bedrohten Bevölkerung? Wie sind hier die rechtlichen Grundlagen?
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Und: Haben nicht gerade die Deutschen aus ihrer Geschichte heraus eine besondere Verantwortung, die über einen simplen Pazifismus hinausgeht? Gibt es vielleicht sogar eine Pflicht zur humanitären Intervention?
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So wie dies in einem durchaus nachdenkenswerten Artikel zum Ausdruck gebracht wird: „ … Aber was bedeutet es, dass wir als Nation dafür (für die nationalsozialistischen Verbrechen) die Verantwortung übernehmen? Im Laufe der Diskussion sprachen wir auch über die Situation im Sudan, wie die Weltöffentlichkeit anscheinend schon wieder genau wie in Ruanda wegsieht, dass in Darfur ein langsamer, aber systematischer Völkermord vollzogen wird. Da überraschte Andrew Cohen mich mit einem provokanten Vorschlag: Was wäre, wenn die deutsche Regierung sich dazu verpflichten würde, bei jedem von den Vereinten Nationen festgestellten Völkermord unter dem Oberkommando der UNO deutsche Truppen in das Krisengebiet zu schicken, um diesen Völkermord, wenn nötig eben auch mit militärischen Mitteln, zu beenden. Wäre das nicht eine Antwort auf den Holocaust? Wäre das nicht eine Form, vor der Geschichte Verantwortung zu übernehmen?“
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Ich bin überzeugt, dass die Entwicklung der Menschheit hin zu einem friedlichen und gerechten Miteinander letztlich nur „von unten“, also von den Menschen selbst, von uns selbst, vorangetrieben werden kann und wird. Aber ebenso braucht es wohl auch transnationale Strukturen, wie eine (reformierte!) UN, um diesen Willen, der ja auch ein Traum ist, in der Realität zu verankern. Oder wie der ehemalige US-Verteidigungsminister Robert McNamara, der im Gegensatz zu den amerikanischen Neokonservativen für ein System der kollektiven Sicherheit eintritt, es in einem Vortrag zum Ausdruck brachte: „Dafür (für die Beilegung von Streitigkeiten innerhalb einer Nation und zwischen Nationen ohne Anwendung von Gewalt) braucht es internationale Konfliktlösungsstrukturen.“
Mittwoch 3. September 2008 um 14:39
Hallo,
Menschen wie Albert Einstein und Sigmund Freud waren nicht dazu in der Lage (konnten es nicht sein) diese Frage zu beantworten. Dies schon deshalb, weil ihr durch den Zeitgeist stark beeinflusster Intellekt, dies nicht zugelassen hat. Krieg hatte für sie ein klares Gesicht, eine Form, ein Wesen an und für sich. Frei nach dem Motto “Wer zu nah bei der Sonne steht, kann das Universum nicht sehen” war ihnen Krieg zu bewusst, zu plastisch, zu greifbar! Doch um Krieg, bzw. seinen gar nicht so besonderen Ursprung zu verstehen, muss man nicht nur die Distanz zu eben diesem herstellen können, man muss ihn auch in Teilen erlebt haben. Erlebt insofern als das wir das Wort Krieg simpel durch “körperlich ausgetragenen Konflikt” ersetzen. Letzteres können die wenigsten Akademiker als substanziellen Erfahrungswert ihrem Denken hinzufügen. Zeig mir einen Akademiker der ein Schwert führen kann und ich zeige dir einen geleerten Herrscher. Das von dir gewählte Beispiel ist natürlich sehr prägnant, weil hier ein Mensch direkt andere Menschen tötet und darüber berichtet. Hätte der Text ebenso ergreifend gewirkt, wenn Du z.B. einen Chemiker gewählt hättest, der gerade aus dem Ohrenschmalz des Menschen ein Mittel zur sog. “Ungeziefervertilgung” generiert? Millionen Menschen werden in Zukunft daran zu Grunde gehen, dass durch solche Mittel Insekten gegen Ohrenschmalz resistent werden. Wer wird in dem Chemiker den Schützen mit der geistigen Waffe sehen und ihn für seine Tat, den millionenfachen Mord zur Rechenschaft ziehen? Wer wird eben dies den Unternehmen anlasten, die solche Mittel zur Herstellung anwiesen?
Krieg u./o. billige körperliche Gewalt, ist ebenso wie die Todesstrafe eine Frage der min. vorhandenen Grundbildung des Individuums selbst.
Eine These in zwei Teilen:
1) Wenn am nächsten Montag Morgen jeder Mensch auf der Welt dazu in der Lage wäre sich seiner Haut durch kontrolliert angewendete körperliche Gewalt zu erwehren. Wie viele Kriege würden noch geführt werden können? Richtig keiner. Bedenke die Weisheit der Iliias. Auch der größte “Held” kann gegen tausend “einfache” Krieger nicht bestehen.
2) Wenn am nächsten Montag Morgen jeder Mensch auf der Welt dazu in der Lage wäre zu verstehen, dass durch seinen Tod das Feld nicht bestellt würde, weil es auch kein Anderer tut. Wer wäre noch zum Schaden des Nächsten erpressbar? Bedenke die Weisheit der Schrift. Auch die größte Härte zerschellt am Gleichmut des Verstehenden.
Krieg ist Konflikt. Konflikt ist der Ausdruck sich deutlich gegenüberstehender Interessen. All jene welche starr im Handeln und Denken sind, werden den kürzest mögliche Weg zur Wahrung ihrer Interessen suchen. Den Krieg…
Gruß
Freitag 5. September 2008 um 21:42
[…] Wilson Island: Warum Krieg? […]
Sonntag 7. September 2008 um 23:40
man, immer bin ich letzter, hinter Fragezeichner und Michael. Mist.-)
Hallo,
Ich gehöre zu denen, die gerne mit dem großen Rad spielen. Das ist schon fast eine Hypothek für mich, die das Leben nicht unbedingt einfach macht. Schritt für Schritt versuche ich mich davon zu lösen und zu den kleinen Dingen zu kommen.
Und so wie es Fragezeichner sagt, glaube auch ich, das jeder Einzelne etwas tun kann. Und dann stimmt auch deins, es kann nur von unten gehn.
Und dann, so glaube ich selbst weiter, kann es nur in kleinen Schritten geh`n, mit denen jeder von uns selbst bei sich selbst anfängt, wenn er es dann will.
Schluß mit dem großen Rad. Steh auf, wenn du kannst und du es dich wagst, in einer Straßenbahn Unrecht zu schlichten, wenn ein Macho seiner Freundin eine klascht, wenn ein besoffener seinen Sohn anplärt, wenn sich einer vordrängelt, einer klaut, ….egal, nimm was du willst. Ich habe es mal irgendwo gelesen, und auch sofort verstanden, aber danach handeln es etwas ganz anders:
Willst du dich am Ganzen erquicken, so musst du das Ganze im Kleinsten erblicken.
Und da muss ich 500 %-ig Michael Recht geben, nach einem intelektuellen Gerede, muss die Tat folgen - sonst ist das Papier zu schade und die Bytes zu teuer, die das alles verbraucht.
Du und ich können Tibet nicht frei machen, können Irak Kriege die im Namen von Öl und Dollars geführt werden, nicht aufhalten - aber wir können direkt vor unserer Haustür mit den kleinen Dingen “vorleben”. Ein mühsamer, langer Weg - aber auch der weiteste Weg beginnt mit dem ersten Schritt.
Montag 8. September 2008 um 11:32
Hallo!
Ich glaube, wir führen heutzutage noch Kriege, weil es unglaublich einfach ist, die Verantwortung von sich zu schieben. Für mich passiert das alles sehr weit weg - was geht mich das an, was kann ich schon tun? Staatsoberhäupter müssen irgendwie handeln - was bleibt ihnen anderes übrig, welche Mittel gäbe es alternativ? Soldaten bekommen Befehle - sie dürfen sich nicht widersetzen…
Man selbst kann Krieg nicht verhindern, es ist ein Netzwerk aus vielen Entscheidungen und Entscheidern. Da fällt es leicht, das eigene Zutun zu ignorieren oder zu übersehen, weil es so unendlich gering ist.
Wie im Text schon steht, ein Umdenken müsste im Herzen der Menschen beginnen, ganz unten an der Basis. Dazu gehört auch, sich bewusst zu machen, was eigentlich das Ziel ist, welche Einstellung man hat (etwas, was oftmals unbemerkt gar nicht stattfindet), diese nach “bestem Wissen und Gewissen” zu leben (was keiner vollends fehlerfrei vollbringen wird, aber jeder Schritt in diese Richtung müsste als lohnenswert erachtet werden) - und nicht zuletzt: Diese Werte an die folgenden Generationen weiterzugeben. Ich stimme Menachem zu: In den kleinen Dingen des Alltags liegt erst einmal die Lösung.
Es ist vielleicht eine Frage, die nicht in einer Generation beantwortet werden kann. Und so spielt auch der Zeitfaktor eine große Rolle. Man verliert das Ziel aus den Augen, lässt sich ablenken, ändert seine Meinung vielleicht sogar zwischendurch. Dieser Teil des Problems besteht in allen langfristigen Themenbereichen: Umweltschutz, Klimawandel, langfristige politische Entwicklungen etc. Sobald das Geschehen den Horizont eines einzelnen Menschenlebens überschreitet oder es viele Entscheider gibt, verschwimmt die Verantwortlichkeit bis hin zur Unkenntlichkeit.
Montag 8. September 2008 um 21:05
Ich finde den Gedanken so wunderschön, Kriege als ein “Relikt der Urzeit” zu betrachten. Leider sind wir (fast) noch mittendrin - in der Urzeit! Aber wir denken immerhin schon über “Krieg und Frieden” nach. Ich finde das Thema bei “Wilson’s” großartig.
Bin auch der Meinung, dass jeder einzelne in seinem Umfeld etwas tun kann: Streit in der Familie oder in seinem übrigen Umfeld beobachten und andere Lösungsmöglichkeiten als “Krieg” (= Streit) suchen. Die Kinder dazu erziehen, strittige Themen mit Verhandeln zu lösen und nicht mit Hinhauen oder mit Schreien und Angreifen. Sich selbst zu gewissen Anlässen fragen, warum dieser oder jener Streit aufgekommen war - vielleicht ist ein Schlichten oder um Verzeihung bitten noch möglich…? … ein anderes Verhalten eben (?).
Was Kriege auf der Welt anbelangt, mache ich mir nichts vor: In z.B. energiestrategisch wichtigen Regionen wird von Staatengemeinschaften relativ schnell eingegriffen, in anderen Gebieten eben nicht. Auch dieser Punkt lässt sich auf einen selbst herunterbrechen: Muss ich mich immer unbedingt nur um meine eigenen Vorteile kümmern, oder wäre es vielleicht manchmal sinnvoll, sich auch um Sorgen, Streit, Probleme anderer zu kümmern, so dass größere Konflikte gar nicht erst aufkommen? Und durch geändertes Verhalten ganz allmählich eine andere Kultur, nämlich eine friedlichere Kultur des Verstehens,entsteht?
Ich bin überzeugt, wir alle würden uns in einer Kultur eines friedlicheren Umgangs und gegenseitigen Anerkennens wohler fühlen. Ich denke z.B. an die Nichtausbeutung der Entwicklungsländer, also eher partnerschaftliche wirtschaftliche Beziehungen, bei denen beide Seiten ihren Vorteil haben, nicht nur der Stärkere.
Letztlich bin ich der Meinung, dass wenn sich doch immerhin so viele Gedanken um den Frieden gemacht werden und dies vielleicht immer größere Kreise ziehen würde, vielleicht einmal eine friedlichere Welt doch möglich sein wird…
Mittwoch 1. Oktober 2008 um 00:43
Hi, bin durch Zufall auf das Thema gestoßen und finde die hier präsentierten Meinungen recht interessant.
Klingt ja alles schön und gut. Große Veränderungen fangen bei Kleinigkeiten an. Aber ist so eine Vorstellung nicht etwas utopisch und realitätsfern? Würde ich wirklich bei den angesprochenen Beispielen in der U-Bahn aufstehen, um einem kleinem Delikt, durch Gefährdung der eigenen Gesundheit, Einhalt zu gebieten, da ich eine Vorstellung einer gerechten Welt vor meinem geistigen Auge habe? Dazu fehlte mir wohl der Mut.
Weiterhin ist mein Handeln in einigen Situationen durchaus affektbestimmt und ich komme oft genug selber in Streitsituationen. Wenn ich mich mit jemandem streite und ihr, die ihr vor mir von einer guten Welt gepedigt habt, euch einmischt, um einen Streit zu verhindern, dann stellt sich doch die Frage ab wann ihr euch einmischt. Ab einer Beleidigung? Ab einer Tätlichkeit? Wer gibt euch das Recht zu richten? Vielleicht würden einige mein Handeln als gerecht empfinden, wüssten sie was der Beschimpfte getan hat.
Und an dieser Stelle stellt sich wieder die Frage, die schon von AkiTari aufgeworfen wurde: gibt es einen gerechten Krieg?
Vielleicht könnte man eine Antwort in der Geschichte finden. Ich will nichts falsches erzählen aber ich denke, dass allgemin angenommen wird, dass der Begriff des gerechten Krieges erstmals von Cicero erwähnt wurde. Die Griechen zuvor rechtfertigten ihre Kriege nicht, sie erklärten sich von der Natur aus auserwählt zu herrschen. Die Römer rechtfertigten ihre Kriege mit ihren Göttern, eine Analogie ist zum Impeiralismus erkennbar. Schaut man im 18 oder 19. Jahrhundert erklärten ie Europäer Kriege duch Darwins Prinzip. Sie erkannten nicht, dass Evolution bei den Menschen sich durch Bildung und gesellschaftliche Fähigkeitn ausdrücktt. Heute wird ja der Krieg als Verteidigungskrieg gerechtfertigt. Und ist die Rechtfertigung von heute, ein Land anzugreifen, da es angeblich Atomaffen besitzt besser als frühere Rechtfertigungen? Meiner Meinung nach nicht.
Kann es überhaupt einnen allgemeinen Weltfrieden geben? Besser noch einen weltweiten Kommunismus, in dem jeder Bewohner der Erde gleichgestellt ist, wo jeder seinen Teil zur Gesellschaft beiträgt. Die einen sind Arbeiter, die anderen Denker, aber beides ist von gleichem Wert. Es gäbe keiner Neider, da keiner mehr hat als der andere. Der Glaube jedes einzelnen würde Toleriert werden.
Ich denke, dass diese Vorstellung nicht umsetzbar wäre, auch abgesehen von dem Weg wie man ein solches Stadium erreichen könnte. Es gäbe immer Neid und dadurch Streit, z.B. wegen Beziehungen. Allerdings ist es trotzdem eine schöne Vorstllung.
Hab ich vergessen zu erwähnen: Vlt könnte die Vorstellung Realität werden, wenn uns eine andere Welt bedrohte. Unter Angst und für das Ziel nicht zu sterben könnte und guter Anleitung jeder Sein Bestes geben, um de Menschheit zu retten. Die allgegenwärtige Angest vor einem Atomkrieg würde vielleicht euch schon Ggenügen. Das Erkennen der Menschheit, wie nah sie an einem Abgrund gestanden hat, ließe vielleicht einige Grenzen fallen.
So jetzt muss ich aber pennen, Gute Nacht^^