Archiv für die 'Gesellschaft' Kategorie

Allem Anfang wohnt ein Zauber inne…

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So viel Anfang war nie.

Neue Artikel, neue Möglichkeiten, neue Produkte. Neue Klänge, neue Stimmen, neue Entscheidungen. Wir können, ja wir müssen heute immer wieder neu entscheiden, wie unser Leben weiter verlaufen soll. Jeden Tag neu. Jeder Tag ein neues Versprechen. Der Wandel ist das einzig Beständige.

„Wir werden die Welt verändern. Ein ganz neues Leben anfangen. Heute und morgen wieder.“

Jeder hat irgendwann derartige Gedanken. Wir träumen davon, etwas Neues anzufangen. Unser ganzes Leben neu anzufangen. Glücklicher zu werden. Es gibt eine große Sehnsucht nach einem Neuanfang. Die Ratgeberliteratur ist voll davon: „Mut zum Neubeginn. Wie Sie es schaffen“. Wir erfinden uns täglich neu, oder sollen es zumindest.

„Komm lass uns mal schauen, was es Neues gibt.“

Allein in Deutschland werden jedes Jahr von der Markenartikelindustrie vierzehn Milliarden Euro für Innovationen ausgegeben. Jedes Jahr gibt es etwa 30.000 neue Produkte in Deutschland.

Die bestimmende Idee unserer Zeit ist die einer permanenten Neuerfindung von Allem, einschließlich von uns selbst. Die permanente Revolution ist Wirklichkeit geworden – im Kapitalismus.

Die Revolution frisst nicht nur das Alte, sie nährt und fördert die Illusion, dass es etwas wirklich Neues tatsächlich geben könnte.

Unsere ganze Kultur ist mittlerweile durchdrungen von der „Ideologie des Neuen“:

Der Wirtschaftsbereich – z.B. Marketing, Patentrecht - basiert auf der Vorstellung, dass das Neue keine Beziehung zum Bestehenden hat, sondern unvermittelt, wie aus dem Nichts auftaucht.

Die westliche Wissenschaft schildert die Geschichte unseres Universums als einmaligen Neuanfang, ausgehend von einem Urknall. Eine westlich geprägte Vorstellung? Die den Gedanken an ein ewig existierendes Universum - ohne Anfang und Ende – nur deswegen als absurd abtut, weil sie in ihren alten Vorstellungen gefangen ist? *

Im Privaten, auch in unseren Beziehungen, hegen wir nicht selten die Hoffnung, dass man das Vergangene hinter sich lassen kann, mit der Vergangenheit abschließen kann. Neu anfangen kann.

In der Evolution des Lebens scheint es dagegen keinen absoluten Neubeginn, nichts unverbunden Neues zu geben. „Was bei der Betrachtung … zunächst auffällt, ist, (dass die) begrenzte Zahl von (genetischen) Bauplänen sich … seit der Zeit ihrer Entstehung vor 600 bis 1000 Millionen Jahren nicht grundsätzlich verändert haben. Neues (kann) sich nur auf der Basis des schon Bestehenden durchsetzen. Nur jene genetischen Varianten (werden) zum Spiel der Evolution zugelassen, die in die Strukturen bereits etablierter Baupläne passen. Diese Einschränkung kann auch als eine “Bürde der Tradition” interpretiert werden.“** Die Evolution erfindet nicht ständig alles neu, sondern bestehende Strukturen werden für neue Aufgaben und Zielen eingesetzt. Nichts im Organischen ist völlig neu. Das “Neue” ist nicht frei, sondern abhängig von dem Bestehenden und Vorhergehenden.

Dies gilt auch auf anderen Gebieten. Großes Erstaunen löst z.B. bei vielen immer noch die Tatsache aus, dass die Bibel in weiten Teilen nicht einzigartig und neu ist, sondern viele der Erzählungen, wie auch die Sintflutgeschichte, literarische Vorläufer in frühen mesopotamischen Epen hat.

Was ist so verstörend an der Aufdeckung einer gewissen Kontinuität zu früheren Kulturen? Ist nicht der Gedanke, dass das aktuelle Sein am Ende einer langen Kette von Ereignissen steht, mindestens genauso aufregend wie die Annahme, das es unvermittelt neu sei?

Auch der innere Kontakt zu den Menschen, die unserem individuellen Leben vorangingen, gilt in unserer von der „Ideologie des Neuen“ geprägten Zeit als unwichtig oder “altmodisch”. Während heutzutage viele nichts genaues mehr über das Leben ihrer Großeltern oder gar Ur-Großeltern wissen (oder wissen wollen), können Kinder in vormodernen Gesellschaften eine lange Reihe ihrer Vorfahren aufzählen. Hier lebt der Einzelne in dem ausgeprägten Bewußtsein nur deshalb zu existieren, weil auch seine Ahnen existierten.

Eins entwickelt sich aus dem anderen. Nichts entsteht neu. Alles ist eine ewige Kette von Ereignissen. Es gibt keinen wirklichen Neubeginn. Das Bestehende wird nicht nur vom Neuen aufgehoben und verdrängt, es bleibt auch im Neuen weiter aufgehoben. Immer wird „das Alte“ mitgeschleppt. Unser Dasein kann sich noch nicht befreien von dem, was war. Es gab keinen Auszug aus Ägypten, sagen Historiker. Sind wir immer noch Gefangene?

Was aber ist dann mit unserer Sehnsucht nach einem Neuanfang? Erschafft diese Sehnsucht nicht doch seine ganz eigene Wirklichkeit?

Es gibt keinen Anfang und kein Ende. Warum sollte dies dann bei uns anders sein? Vielleicht werden wir ja wiedergeboren und leben nach unserem Tod einfach in einem anderen Universum weiter?


Photo © Doblonaut

Music: Blue States, “Nothing Changes Under The Sun”

* Ist es Zufall, dass ein Physiker aus Indien, Abhay Ashketar, der z.Zt. an der Pennsylvania State University / USA arbeitet, aufgrund seiner Berechnungen zu einem ganz anderen Schluß kommt? Danach begann unser Universum nicht mit dem Urknall. Vielmehr ist unser Universum aus einem anderen, früheren Universum hervorgegangen. Ein Universum ohne Anfang und Ende.

** Wolfgang Wieser, „Die Erfindung der Individualität – oder Die zwei Gesichter der Evolution“


Erstellt am Sonntag 22. Juni 2008
Unter: Gesellschaft, Think about it | 7 Kommentare »

„Verbrennt mich!“

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Heute, vor 75 Jahren, am 10. Mai 1933, wurden in Berlin und anderen deutschen Städten öffentliche Bücherverbrennungen inszeniert. Dabei wurden die Werke verfemter Autoren spektakulär und öffentlich ins Feuer geworfen. Es war der Beginn der Ausgrenzung in Nazideutschland gegen alles, was links, jüdisch oder pazifistisch war. Vor den Menschen wurden Bücher verbrannt. Die Werke von 94 deutschen und 37 ausländischen Autoren. Darunter Brecht, Döblin, Feuchtwanger, Hemmingway, Kästner, Wassermann, Zweig, um nur einige zu nennen. Viele der verfemten Autoren gingen daraufhin ins Exil.

Eine Erfahrung aus dieser Zeit ist der hohe Stellenwert, den die Freiheit der Kunst - und die Meinungsfreiheit allgemein - heute im Westen genießen. Die Empörung z.B. über die Fatwa gegen den Schriftsteller Salman Rushdie oder über die Bedrohung, der sich die Autorin Ayaan Hirsi Ali ausgesetzt sieht, spiegelt dies wieder.

„Verbrennt mich!“ Unter diesem Titel veröffentlichte Oskar Maria Graf, dessen Werke zu diesem Zeitpunkt noch nicht auf der Liste standen, am 12. Mai 1933 in der Wiener Arbeiter-Zeitung einen Aufruf an die Nazis, in dem er sich mit den verfolgten Autoren solidarisch erklärte: „Nach meinem ganzen Leben und nach meinem ganzen Schreiben habe ich das Recht, zu verlangen, dass meine Bücher der reinen Flamme des Scheiterhaufens überantwortet werden und nicht in die blutigen Hände und die verdorbenen Hirne der braunen Mordbande gelangen“. *

Bei den Bücherverbrennungen des Jahres 1933 handelte es sich allerdings nicht, wie vielfach angenommen, um eine Aktion der NS-Partei oder des Propaganda- ministeriums, sondern um eine von Studenten geplante und durchgeführte. Bereits Anfang April 1933 rief die Deutsche Studentenschaft dazu auf, sich an einer vierwöchigen „Aktion wider den undeutschen Geist“ zu beteiligen. Die Aktion erfolgte unter Berufung auf die Bücherverbrennung während des ersten Wartburgfestes 1817, die wiederum an Luthers Tat 300 Jahre zuvor erinnern sollte. Luther hatte sich in seinen Spätschriften zu einem ausgesprochenen Judenfeind entwickelt. Etwas, worauf sich dann NS-Ideologen wie Alfred Rosenberg und Julius Streicher oft berufen haben. So schrieb Luther 1543 unter anderem in „Von den Jüden und iren Lügen“ einen sogenannten „Sieben-Punkte-Plan zum Umgang mit den Juden“:

Erstlich, das man jre Synagoga oder Schule mit feur anstecke und, was nicht verbrennen will, mit erden überheufe und beschütte, das kein Mensch ein stein oder schlacke davon sehe ewiglich Und solches sol man thun, unserm Herrn und der Christenheit zu ehren damit Gott sehe, das wir Christen seien. – Zum anderen, das man auch jre Heuser des gleichen zerbreche und zerstöre, Denn sie treiben eben dasselbige drinnen, das sie in jren Schülen treiben Dafur mag man sie etwa unter ein Dach oder Stall thun, wie die Zigeuner, auff das sie wissen, sie seien nicht Herren in unserem Lande. – Zum dritten, das man jnen nehme all jre Betbüchlein und Thalmudisten, darin solche Abgötterey, lügen, fluch und lesterung geleret wird. – Zum vierten, das man jren Rabinen bey leib und leben verbiete, hinfurt zu leren. – Zum fünften, das man die Jüden das Geleid und Straße gantz und gar auffhebe. – Zum sechsten, das man jnen den Wucher verbiete und neme jnen alle barschafft und kleinot an Silber und Gold, und lege es beiseit zu verwaren. – Zum siebenden, das man den jungen, starcken Jüden und Jüdin in die Hand gebe flegel, axt, karst, spaten, rocken, spindel und lasse sie jr brot verdienen im schweis der nasen“.

Zu Recht wirkt dies heutzutage wie ein mittelalterlicher Vorläufer zu einigen Maßnahmen der Nazis gegenüber Juden. Die Bücherverbrennungen des 3. Reichs kamen also nicht aus dem Nichts über die Deutschen, sondern wurden von den Akteuren selbst in eine Kontinuität einer ganzen Kette von Ereignissen gestellt. Wobei diese auf den ersten Blick nicht erkennbaren Verbindungen mit dem Untergang des Faschismus in Deutschland noch lange kein Ende fanden.

Denn auch zwischen den studentischen Bewegungen vor bzw. während des Nationalsozialismus und denen der 68er scheinen vielfache Gemeinsamkeiten zu bestehen, wie dies der Historiker Götz Aly in seinem aktuellen Buch „Unser Kampf“ beschreibt. „Die revoltierenden Kinder der 33er“ so Aly, „waren ihren Eltern und Großeltern – jener Generation, die die Machtübernahme der Nazis bejubelten oder unterstützten – auf elende Weise ähnlich“. Die 68er seien der nationalsozialistischen „Generation von 1933“ viel ähnlicher, als diese dies selbst wahrnehmen wollen.

Die Kontinuität der „Bewegung“ von 1938 zur 68er Studenten-Bewegung zeigt sich dabei nicht nur in der heute kaum mehr nachvollziehbaren Verehrung totalitärer Regierungsformen, seien sie nun national-sozialistisch oder international-sozialistisch (UdSSR) orientiert. Auch die Anerkennung von Gewalt als Mittel in der politischen Auseinandersetzung bis hin zum Terrorismus, der Antiparlamentarismus, die betont antiwestliche Einstellung, der Antiamerikanismus und der latente Antisemitismus ziehen sich wie eine Linie von den rechten Vätern im Dritten Reich bis zu den „linken“ 68er Söhnen.

Es waren schließlich die 68er, die in der, durch ein deutsch-palestinensisches Kommando nach Entebbe entführten, Air-France-Maschine alle Passagiere nach ihrer Rassenzugehörigkeit in jüdische und nicht-jüdische selektierten. Erst heute wird immer deutlicher, dass auch im Inneren so mancher “links-revolutionärer” Apologeten das Denken der Väter weiter wirkte. Die Begeisterung Ulrike Meinhofs (und anderer “Linker”) im Jahre 1972 für den palestinensischen Überfall auf die israelische Olympiamannschaft steht hierfür nur exemplarisch.

Eine tatsächliche Aufarbeitung des nationalsozialistischen Erbes und seiner gesellschaftlichen Kontinuität steht also immer noch aus.

*Ein Jahr später, 1934, wurden dann auch die Bücher Oscar Maria Graf`s verbrannt und seine Werke verboten. Über die Tschechoslowakei, Moskau und die Niederlande musste er mit seiner späteren Frau, der Jüdin Mirjam Sachs, in die USA fliehen, wo er 1957 die US-amerikanische Staatsbürgerschaft erhielt.


weiterführende Informationen:

Chronologie des Holocaust” von Knut Mellenthin

Podcast: “Kinder der Machtergreifung”, eine Diskussion mit Götz Aly über die Thesen seines Buches.


Erstellt am Samstag 10. Mai 2008
Unter: Gesellschaft, Global, Kultur | 6 Kommentare »

Verschwunden - und wieder aufgetaucht!

Das kennt wohl jeder. Bei jedem Umzug geht immer irgendetwas verloren. Besonders ärgerlich ist es für mich, wenn eines meiner Bücher weg ist. Ich denke dann jedes Mal: das hat jetzt bestimmt jemand anders. ;-) Nun aber habe ich zur Abwechslung mal ein Buch wieder gefunden. Und das kam so:

award-tagebuch.JPGDie Handwerker waren da und ich wollte einiges aus dem Weg und in den Keller bringen. Beim Umräumen sehe ich zufällig einen alten Pappkarton und schaue nach, was drin ist. Unter allerlei Küchenkram entdecke ich es: mein blaues Tagebuch! Habe ich hier nicht meine damaligen Gedanken zu 9/11. aufgeschrieben? Wie lange ist das schon wieder her? Da haben doch noch die „Könige“ Schröder und Joschka regiert. Ich werde das Buch wieder mit nach oben nehmen. Ich schließe die Kellertür und zerreisse mir dabei an einem hervorstehenden Nagel meine Kleidung. Ich schlage das Buch auf, beginne zu lesen - und bin bewegt, was ich doch seitdem alles vergessen habe.

In diesem Tagebuch hatte ich damals aufgeschrieben, was mich in der Zeit nach den Terroranschlägen auf das World Trade Center beschäftigt hatte. Die berechtigte Sorge von vielen Menschen in diesen Wochen war, dass es, wie schon einmal im Kalten Krieg, wieder zu einer Teilung der Welt kommen würde. Nur eben diesmal in eine westliche und die islamische Welt. „Ich befürchte, der 11.09. wird missbraucht werden für einen Angriff auf den Islam.“, schrieb ich.

Mich interessierte, was die Attentäter zu ihren Anschlägen gebracht hatte. Und was das für eine Religion ist, in deren Namen sie handeln. Durch Reisen in die Türkei und nach Istanbul (eine wunderschöne Stadt!), die Gespräche mit Imamen in einigen Moscheen und durch den Koran bekam ich langsam einen immer tieferen Einblick in den Islam. Über den in München lebenden Moslem Oguz A. lernte ich auch unterschiedliche religiös-kulturelle Dialoggruppen in verschiedenen Städten kennen.

Ich lese weiter in meinem Tagebuch: „Die Gefahr besteht, dass der Westen in einer sich nun abzeichnenden Auseinandersetzung mit religiösem Fanatismus, Intoleranz und Terrorismus jetzt seine eigene Toleranz schrittweise wieder aufgibt“.

Mich hat seit der Zeit die Frage nach den Ursachen transpersonal motivierter Gewalt immer wieder beschäftigt. Menschen, die frei von ihrer Kollektiv-Geschichte vielleicht die besten Freunde wären, werden im Namen einer „Idee“ und einer scheinbar guten Sache zu Feinden. Sie wissen dies natürlich selbst - und können sich doch von alleine nicht aus diesen Schicksals-Verstrickungen lösen. Bleiben immer weiter Ausführende eines Mems - ihres kollektiven Gedächtnisses.

Ich lese weiter: „ Es ist eine Geschichte darüber, wie wir auf der Suche nach unserer persönlichen Identität zu Überlieferungen und Bildern greifen müssen, die uns gegenseitig zu Feinden machen.“ „…greifen müssen“ – vielleicht ist das einer der Schlüssel? Ich bin froh, dass ich dieses Buch wieder gefunden habe …

Die Intoleranz und Unduldsamkeit gegenüber anderen Menschen und deren Ansichten ist eines der traurigsten Kapitel in der Geschichte der Menschheit. Sie entspringen aber wohl nicht nur der menschlichen Neigung zu Rechthaberei und Streit, sondern auch der Eigenart der Menschen, Idealen und Ideen blind zu folgen.

Beinahe täglich ist in den Zeitungen oder in den Fernsehnachrichten von Gewalt und Terror die Rede. Auf die mörderischen Selbstmordattentate, wie jetzt wieder am 6. März auf die Talmud-Schule „Mercas Harav“ in Jerusalem, folgt dann meist eine gnadenlose Vergeltung. Die Politiker und religiösen Führer sind scheinbar zu einem Dialog unfähig. Stattdessen bestimmen Hass und Fanatismus, Wut und Rache das Geschehen. Aber nicht nur im Nahen Osten, sondern genauso in Afrika (Kenia, …), Asien (Sri Lanka, …), Europa (Kosovo, …) …

Die Spurensuche nach einigen der Gründe und vielleicht auch den tieferen Ursachen für diesen weltweiten Hass wird die nun kommenden Schritte und Artikel der zweiten Phase in diesem Blog bestimmen. Damit es nicht zu monothematisch wird, schreibe ich - für die, die mir auf diesem Weg folgen wollen - auch weiter zu Themen wie Globalisierung, Religion oder Kultur. Also z.B. über folgende Fragen: „Haben die Religionen eine Mitschuld an der Gewalt auf der Welt?“, „Was ist eigentlich aus dem „Weltethos-Projekt“ von Hans Küng geworden?“. “Sind all dieser Hass und die Intoleranz Stationen auf dem Weg zum wahren Menschentum oder einfach nur Irrwege?”, wie sich dies sinngemäß auch der Schriftsteller Albrecht Goes fragt. „Welche Brüche und Verwerfungen gibt es innerhalb der menschlichen Gemeinschaft durch die Globalisierung?“, „Was bedroht die eigene kulturelle Identität?“, „Ist z.B. so eine Idee wie die „Gewaltfreie Kommunikation“ von Marshall Rosenberg ein Weg zu mehr Toleranz?“ …

P.S.: Was rät mir hierzu heute das chinesische “Buch der Wandlungen“? „Wir müssen uns das ansehen, was wir ernähren wollen und dann darüber nachdenken, welche Nahrung sich am besten eignet.“

Erstellt am Samstag 15. März 2008
Unter: Gesellschaft, Global, Think about it | 4 Kommentare »

Blogger Beppe Grillo sucht Mitstreiter

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“Don’t read the newspapers.

Don’t watch the TV.

Think with your own head.

Lift up your head.

For a new Renaissance.”

Das hat mich erstmal neugierig gemacht.

Hat schon jemand Infos, um was genau es bei dieser Aktion

“V-Day 25 April, for freedom of information”

auf Beppe Grillo`s Blog* geht?

(* Laut Technorati ist Beppe Grillo`s Blog unter den zehn weltweit am häufigsten besuchten.)

Erstellt am Dienstag 4. März 2008
Unter: Gesellschaft, Global | 8 Kommentare »

Klimaveränderung und Hexenverbrennung

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Pieter Bruegel der Ältere (1565) „Jäger im Schnee“

Für sein neues Buch “Kulturgeschichte des Klimas”, hat Prof. Wolfgang Behringer den Zusammenhang zwischen Klimawandel und Geschichte erforscht. So u.a. auch die Verbindung zwischen den Hexenverbrennungen und einem Klimawechsel während des Mittelalters. Danach kam es aufallend häufig in den Jahren zu starken Hexenverfolgungen, in denen sich das Klima verändert und für Mißernten gesorgt hatte.

Irrationalerweise seien während des ganzen Mittelalters nach Ernteausfällen und Hungersnöten immer wieder Menschen für eine Änderung des Klimas verantwortlich gemacht worden. (Ein Interview des Journalisten Jürgen Albers`mit Prof. Wolfgang Behringer über dessen neues Buch habe ich als Podcast hier verlinkt). Genau wie heute wurde also auch schon damals der Mensch als Ursache des Klimawandels betrachtet.

Die Frage ist aber: Darf und kann man das überhaupt vergleichen? Die Reaktion der Menschen im Mittelalter und den heutigen Umgang mit einer erneuten Klimaveränderung? Immerhin stützen sich die aktuellen Aussagen nicht auf Aberglaube, sondern auf wissenschaftliche Erkenntnisse. Auffällig ist auf der anderen Seite, dass z.B. nur die negativen Folgen eines Klimawandels betrachtet werden. Gibt es also doch eine gemeinsame irrationale Grundstruktur des Umgangs mit solchen Ereignissen? Reagieren wir vielleicht doch nicht ganz so rational, wie wir glauben? Oder sind solche von manchen geäußerten Zweifel nur der Versuch, eine klimagerechte Politik zu verhindern?

Erstellt am Samstag 1. März 2008
Unter: Gesellschaft, Global, Umwelt | 2 Kommentare »

Schicksal und Glaube

i-am-leaving.jpgIch weiß, wir sind nicht frei, denn ich bin es nicht.

Plötzlich beugte ich mich ganz nah an sein Gesicht, dass er ein wenig zuckte, und schrie laut und immer lauter: Sie sind der größte Verbrecher! Sie heilen nur, damit man uns wieder als Kanonenfutter brauchen kann“. … “Sie kommen in eine Heilanstalt“, sagte der Arzt tonlos und die Wärter nahmen mich in ihre Mitte“.

Wir sind Gefangene“, nennt Oscar Maria Graf die bewegende Erzählung, in der er die Moral-, Denk-, und Verhaltensgefängnisse seiner Zeit beschreibt. Seine Suche nach Befreiung und Selbstverwirklichung, die oft nur auf Kosten anderer zu haben ist. Wir wehren uns gegen das schicksalhafte Leben - und verstricken uns zugleich immer weiter.
Freiheit – nur um ein vorbestimmtes Schicksal zu verwirklichen? Alles ist, wie es ist?

Peter Härtling: „Ich sollte meinem Vater die Tabletten bringen. Er hatte die Ruhr. Ich lief hin zu dem Ort, an dem er und die anderen Kriegsgefangenen festgehalten wurden. Sie wurden gerade in Marsch gesetzt. Da entdecke ich meinen Vater. Er winkt und lächelt mir zu. Ich winke zurück und laufe schneller. Ein Wachsoldat tritt mir in den Weg, schlägt mich mit dem Gewehrkolben und drängt mich ab. Ich hatte nicht mehr den Mut, meinem Vater die Tabletten zu bringen. Ich versteckte sie unter einem Heuhaufen, denn mit den Tabletten in der Hand traute ich mich nicht zurück zu meiner Mutter. Nach einem Jahr erfuhren wir, dass Vater im Lager gestorben war. Irgendwann konnte meine Mutter all das Erlebte nicht mehr ertragen - die erlittene Vergewaltigung, die Vertreibung, den Tod meines Vaters - und beging Selbstmord.

Die, die vor uns da waren, zwingen uns zu Eindrücken, die unser Leben - uns selbst - formen. Sollen wir diese Bilder vergessen, weil sie nicht eigentlich zu uns gehören oder bin I c h gerade das, was Ich nicht sein will, was aber schicksalhaft mit mir verbunden ist?
Ich ist ein anderer“, meint Arthur Rimbaud.

Die Entscheidung liegt bei dir!“, sagt Reinhard K. Sprenger. Dann wäre ich also für mein Schicksal selbst verantwortlich. Stünde immer wieder vor neu der Wahl, und hätte die Freiheit dazu, mein Schicksal jederzeit zu ändern. Wenn ich keinen anderen Menschen für mein eigenes Schicksal verantwortlich machen kann - warum sollte ich dann dem Rat eines anderen Menschen Glauben schenken? Einen jedoch kann ich für mein Schicksal verantwortlich machen: Gott. Dann sollte ich doch Ihm dafür glauben?

In die Hölle schafft es der Mensch alleine, in den Himmel kommt er nur zusammen mit seinem größten Feind. Gibt sie also doch, die Hölle? Einige haben durch die geöffneten Höllentore gesehen und seitdem plagt sie die Angst. Sie können es nicht mehr vergessen: Wie man in die Hölle kommt und wer hinein kommt. Es ist anders, als es die Religionen erzählen. Auch deshalb glauben viele nicht mehr an die Religionen.

Wir wissen, gegen wen Menschen ihren Glauben missbrauchen - gegen Menschen. Religionen unterscheiden sich in dem Maß ihrer Toleranz (und dies könnte den Stoff für einen weiteren Essay abgeben). Gemeinsam ist jedoch allen, dass sie ihren Glauben für wahr, für die einzige Wahrheit, den der anderen für unwahr, halten.

Das „So-Sein“ des Menschen verhindert ein endgültiges und vollständiges Erfassen „der Wahrheit“. Einige Farben und Töne können wir wahrnehmen, andere nicht. „Wie wirklich ist die Wirklichkeit“, fragt Paul Watzlawik. Trotz aller Fortschritte: der Mensch bleibt, ja muss „blind“ bleiben, gegenüber der „wahren“ Wirklichkeit – seiner Erkenntnis sind naturgegebene Grenzen gesetzt. “Je mehr ich weiß, desto mehr erkenne ich, dass ich nicht weiß” wusste Albert Einstein, sich auf Sokrates beziehend.

In jedem geschlossenen System wird aus „heiß und kalt“ früher oder später lauwarm, hält uns der zweite Hauptsatz der Thermodynamik vor Augen. Ordnung und Information zerfallen in einen Zustand gleichmäßiger Unordnung. Ein Ruhezustand der Gleichverteilung. „Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm“ und nie nach oben, beobachtet Isaac Newton. Die Naturgesetze und das Gesetz des Schicksals formen jenen geschlossenen Raum. Gibt es also nur diese eine, in sich abgeschlossene, Welt?

„Es gibt auch eine nicht-deterministische Zweite Welt“, die Quantentheorie bringt den “Zufall” ins Spiel. Der Zufall - Ereignisse, die nicht kausal erklärbar sind, hinter denen keine erkennbare Regel steckt? Deren Gesetzmäßigkeit wir nicht erklären können?

Nein, „Das beobachtete System ist in sich zufällig!“, es gibt den Zufall tatsächlich, sagen Niels Bohr und Werner Heisenberg. Der Zufall, „kontinuierlich neues erschaffend“, glaubt nicht an ein gesetzmäßiges Schicksal, sondern an die Freiheit. Meine Freiheit.

Photo © Teodoratan

Erstellt am Dienstag 26. Februar 2008
Unter: Gesellschaft, Science, Think about it | 6 Kommentare »

“Du wirst ja langsam zum Webaholic”

“Das Thema Internetsucht ist bislang noch recht unbekannt. Auf viele Menschen übt das Internet eine geradezu magische Anziehungskraft aus. Das Wort Internet- oder Onlinesucht beschreibt den zwanghaften Drang zum surfen, chatten, spielen, downloaden oder sonstigen unkontrollierten Aktivitäten im Internet. Mediensucht ist der Oberbegriff der auch die Internetsucht, als eine Sucht nach einem Medium, einschließt. Die Mediensucht zählt somit zu den stoffungebundenen bzw. substanzunabhängigen Süchten.”

Na, wenn dem so ist, sollte ich mich mal wieder stärker meinen anderen Süchten widmen, oder? ;-)

Erstellt am Samstag 23. Februar 2008
Unter: Gesellschaft, Think about it | 3 Kommentare »

Auf nach Liechtenstein?

Steuerhinterziehung ist zwar mittlerweile ein anerkannter Volkssport - 30 Milliarden Euro gehen so angeblich am Fiskus vorbei - aber wenn die Spitzenverdiener auch mal ein “wenig” mitspielen wollen, hört der Spaß dann doch auf. Mehr als tausend Verdächtige, unter ihnen Post-Chef Klaus Zumwinkel, sollen bis zu vier Milliarden Euro Schwarzgeld bei einer Liechtensteiner Bank deponiert haben. Welche Richtung diese Geschichte weiter nehmen wird, ist allerdings noch nicht ausgemacht.

Äußerst dubios ist an dieser Affäre allerdings auch die Mithilfe des BND bei den Ermittlungen. Die Steuerbehörden zahlten dem deutschen Nachrichtendienst 5 Mio € für eine CD mit den Bankdaten der Steuerflüchtlinge! Soll eine deratige Behördenzusammenarbeit erlaubt sein, oder hat der Staat generell schon zu viel Einblick in private Daten? Müssen Steuerflüchtlinge zukünftig härter bestraft werden? Stimmt da irgend etwas mit dem Verantwortungsgefühl der Manager gegenüber der Gesellschaft nicht mehr?

Das was wir gerade erleben, ist die Notwendigkeit
der Neubegründung ethischen Verhaltens in Wirtschaft und Gesellschaft.

Die Kontrollmacht des Staates ist im Zuge der Globalisierung geschwunden. Die Unternehmen haben sich unter der “Parole “Neoliberalismus” an eine globale Konkurrenzsituation anzupassen versucht und hoffen, mit nur noch einem einzigen Bewertungsmaßstab für ihr Verhalten - der Gewinnmaximierung - besser überleben zu können.

Auf dem Höhepunkt dieser rein betriebswirtschaftlich orientierten Vorgehensweise kommt jetzt immer vehementer der dritte Partner in dem ökonomischen Handlungsdreieck in`s Spiel. Der Mensch, als Konsument und Basis jeden Unternehmenserfolgs. Er ist es nun, der immer öfter sein eigenes Verhalten ganz bewusst an ethischen Wertmaßstäben orientieren will und auch auszurichten beginnt. Sein Verhalten, die Summe der vielen kleinen Käufe oder eben Nicht-Käufe - und nicht mehr der Staat mit seinen Vorgaben - werden in Zukunft den entscheidenden Einfluß auf Unternehmensentscheidungen und das Verhalten der Verantwortlichen in den Unternehmen haben.

Eine immer größere Zahl von Menschen verlangt heute von den Entscheidungsträgern in Politik und Wirtschaft verantwortungsvolles Handeln und richtet zunehmend ihre Kaufentscheidung danach aus.

Nur den Unternehmen, die durch ethische Orientierung einen positiven Imagegewinn verbuchen, wird es zukünftig noch gelingen, die immer gleichförmigeren Produkte unterscheidbar zu machen und mit Attraktivität aufzuladen. Verantwortliches Handeln wird so zu einem Faktor für Unternehmenserfolg, der gern auch kopiert werden darf.

Aber - um zu H. Zumwinkel zurückzukehren. Eine Frage bleibt für mich unbeantwortet. Was treibt einen Menschen an, solch ein Risiko einzugehen? Aus Not hat er es gewiss nicht getan. Ist es wirklich die Gier nach noch mehr? Oder das Gefühl, sich zurückholen zu müssen, was ihm seiner Meinung nach zusteht? Der Ehrgeiz schlauer zu sein, als die Finanzbehörden?

Literatur: Ethik im Management; Einkaufsrevolution, Konsumenten entdecken ihre Macht; No Logo;

Dikussion: Spiegelfechter; FdoG; Oeffinger Freidenker;

Erstellt am Sonntag 17. Februar 2008
Unter: Gesellschaft, economy | 2 Kommentare »

Türkische Schulen in Deutschland - Vorteil für die Integration?

Am Rande der Trauerfeier für die Opfer der alevitischen Familie, die bei der Brandkatastrophe in Ludwigshafen umgekommen waren, hatte der türkischen Premierminister Recep Tayyip Erdogan vorgeschlagen, in Deutschland türkischsprachige Gymnasien zu gründen. Damit hat er eine rege Diskussion in der Bevölkerung angestoßen. In den meisten Parteien ist der Vorschlag vorerst auf Protest gestoßen. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Lale Akgün z.B. meinte: „man wolle keine Kinder, die körperlich in Deutschland und geistig und seelisch in der Türkei lebten“. Auch die Integrationsbeauftragte Maria Böhmer und der SPD-Chef Kurt Beck lehnten Erdogan`s Vorschlag ab.

Viele befürchten, dass eine Parallelgesellschaft gefördert und die Integration erschwert würde. Wäre dem tatsächlich so? Oder könnten türkische Schulen und Universitäten zur besseren Integration beitragen? Je unaufgeregter und pragmatischer an diese Fragen herangegangen wird, desto eher können die unbestreitbaren Defizite des bestehenden Systems angegangen werden, um die schulischen und später beruflichen Erfolge der Einwanderer zu erhöhen.

Der Schlüssel zur Integration ist die Bildung. Wie erfolgreich ist der bestehende Weg, Einwandererkindern zu erfolgreichen Schulabschlüssen zu verhelfen? Nach der letzten Pisa-Studie sind die Bildungschancen für Einwandererkinder an deutschen Schulen schlechter als in anderen Ländern. Die Folge ist eine schlechte Integration in die deutsche Gesellschaft und Arbeitswelt. So lange immer noch so viele Kinder der 2. oder 3. Einwanderergeneration nur mit Hauptschulabschluss oder ganz ohne Abschluss in ihr Leben gehen, stimmt hier etwas nicht. Was sind die Gründe für dieses schlechte abschneiden?

Sind muttersprachliche Schulen ein Weg zu mehr Bildung und Chancen für Einwandererkinder oder verstärkt dies eher einen Trend zur Parallelgesellschaft? Wie könnte der Unterricht an solchen Schulen konkret aussehen? Sind das Vorbild die bereits bestehenden mehrsprachigen Schulen und Internate, oder würde der Unterricht nur auf türkisch und nach dem Lehrplan des türkischen Erziehungsministeriums stattfinden? Können muttersprachliche Schulen die Ängste von Einwanderern vor einer Assimilation abbauen? Was steckt hinter diesen Ängsten? All dies sind Fragen, die geklärt werden müssen, bevor eine vorschnelle Ablehnung oder Zustimmung erfolgen sollte.

Erstellt am Mittwoch 13. Februar 2008
Unter: Gesellschaft, Global, Kultur | 13 Kommentare »

“Obama hat was”…

usa.jpgWenn man mit Verwandten in den USA spricht, kann man oft hören: “Obama hat was”. Unabhängig davon, welchem der Kandidaten letztlich die Stimme gegeben wird, verkörpert der charismatische Demokrat für sehr viele, über alle Parteien hinweg, am überzeugendsten den ersehnten “Change”, den Wechsel in der amerikanischen Politik.

hillary-clinton.jpgAber - hatte es zum Schluss der Clinton Ära nicht ganz ähnliche Hoffnungen auf einen Neuanfang gegeben? Nach all den damaligen Auseinandersetzungen um die Äffairen dieses Präsidenten? Es ist durchaus möglich, dass diese alte Geschichte nun auch für dessen Frau zu einem Hindernis auf ihrem Weg ins Präsidentenamt werden könnte. Nicht wenige im teilweise sehr konservativen Amerika stellen die Frage, wie Bill Clinton sich denn diesmal im “White House” benehmen würde.

barack-obama.jpgAuch wenn die Positionen der beiden demokratischen Bewerber auf vielen Gebieten ähnlich sind, steht Obama bereits mit seiner Person für den Anspruch, das in den letzten Jahren, trotz Wirtschaftswachstum, immer weiter gespaltene Land wieder zu einen: “Es gibt kein schwarzes und kein weißes Amerika, es gibt nur die Vereinigten Staaten von Amerika. Wir sind ein Volk”.

Barack Obama setzt in diesem Wahlkampf stärker auf die Wirkung seiner Person als auf eine eindeutige Positionierung. Dadurch könnte auf der anderen Seite aber auch er von allen Kandidaten der sein, der am schnellsten seine Politik nach dem Ende der Wahl an die neuen innen- und außenpolitischen Spielräume anpasst. Erstaunlich ist in diesem Zusammenhang, dass Hillary Clinton, die sich vor allem auf außenpolitischem Gebiet wesentlich deutlicher festgelegt hat, trotzdem größere Schwiegrigkeiten zu haben scheint, dafür auch die nötige finanzielle Unterstützung zu bekommen. Insgesamt scheint sich meine Einschätzung zu bestätigen, dass in den USA der Kandidat die größten Chancen hat, der es am besten versteht, als Projektionsfläche für die unterschiedlichen Schichten und Gruppen zu dienen.

Auch in den USA dienen Wahlkämpfe vor allem der Mobilisierung der Wähler. Und immer weniger dazu, auch eine 1:1-Vorlage für die spätere Regierungspolitik abzugeben. Ob es unter einem neuen Präsidenten also tatsächlich zu einer grundlegenden Änderung, insbesondere in der Außenpolitik kommen wird - eine Frage an der vor allem auch Europa ein vitales Interesse hat - wird sich erst zeigen müssen.

Während der Ära Bush II. hatte mich gelegentlich folgende Frage beschäftigt: Sollte es nicht möglich sein, einen Präsidenten, dessen Politik einen nicht unerheblichen Einfluss auch auf andere Länder hat, zumindest zu einem kleinen Teil auch von Menschen außerhalb der USA wählen zu lassen?

Eine ernsthaftere Frage ist allerdings die danach, was uns eigentlich tatsächlich unter dem zukünftigen US-Präsidenten erwartet? Wen würden wir wählen? Welcher Kandidat kommt unseren Interessen am nächsten?

Erstellt am Dienstag 12. Februar 2008
Unter: Gesellschaft, Global | 5 Kommentare »