Versöhnung für den Nahen Osten - das „Pen-Pal Projekt”

Die meisten Nachrichten aus dem Nahen Osten - ob in den Zeitungen, im Radio oder Fernsehen - sind geprägt von Terror und Gewalt. Im Westjordanland, in Gaza, in Israel. Anschläge, Vergeltung und Zerstörung folgen aufeinander. Hass und Fanatismus, Wut und Rache bestimmen das Geschehen. Ein Dialog scheint unmöglich.
Trotz allem gibt aber immer auch kleine Hoffnungsschimmer in dieser scheinbar ausweglosen und verfahrenen Situation. Solche Zeichen der Hoffnung sind z.B. das arabisch- jüdische Friedensdorf “Neve Shalom - Wahat al Salam” das von Reuven Moskovitz mitgegründet wurde, der Dirigent Daniel Barenboim, der gemeinsam mit israelischen und palästinensischen Musikern auftritt oder Yael Katz Ben Shalom, der die Begegnung zwischen einer jüdischen und einer arabischen Schule in Jaffo initiierte.Vor einiger Zeit habe ich ein weiteres Friedens-Projekt kennen gelernt, das mich sofort tief beeindruckt hat. Es nennt sich „Pen-Pal Projekt“. Auf Deutsch „Brieffreundschaften-Projekt“. Eytan Shouker und Eldad Cidor, beide Künstler, ist es damit gelungen, eine persönliche Begegnung zwischen palästinensischen und israelischen Jugendlichen über alle Grenzen hinweg zu ermöglichen. Die Künstler verteilten Einwegkameras an 500 Jugendliche, die damit ihre unmittelbare Umgebung, ihren ganz normalen Alltag, dokumentieren konnten. Die entwickelten Fotos erhielten die Jugendlichen als eine Postkarte wieder zurück. Dazu auch den Namen eines Brieffreundes, an den sie diese Postkarte mit ihren persönlichen Gedanken schicken konnten. Für viele war dies die erste freundschaftliche Beziehung mit dem bisherigen „Feind“.

mira.JPGMira (18), Bir Zeit

Yamit.

How are you? Thanks for your letter. The photo is very beatiful. I will tell you about my hoppies, my best hoppies are swimming, read English novels, play basket ball. Please write to me again.

From Mira

Diese berührende Aktion scheint naiv und weltfremd angesichts der tagtäglichen Ereignisse, die das Leben und die Gedanken der Menschen in diesem Land prägen. Für die Jugendlichen aber war es eine einmalige Möglichkeit des gegenseitigen Kennenlernens. Ich mag dieses Projekt und bin begeistert. Warum gibt es nicht mehr davon?

Angi (14), Bir Zeitangi.JPG

Hi Rony,

I would like to ask you some questions. 1. are you with the peace? 2. What do you like to do with the peace?

3. Do you like to be friend with us“ 4. Who is the Rony and why?

Send the answers back. This is one of my pictures. You know I hope we stay friends 4ever.

Das „Pen-Pal Projekt“ hinterlässt nicht nur einen tiefen Eindruck bei jedem, der es kennen lernt, es bringt auch eine Botschaft an alle Menschen in der Welt: So verschieden wir auch sein mögen, uns eint viel mehr, als uns trennt.

fadi.JPGFadi (18), Qalkilya

Hello. I am Fadi from Azzoun. I have a problem. I send to my friend two times, but I didn`t received any answer until now. By the way, I wait more than two weeks after sending, but the needed time is 4 days. My friend name is Mor. I am waiting an answer with thankful.

Fadi

Ein palästinensisches Kind kennt Israelis wahrscheinlich nur als Soldaten. Einem israelischen Kind prägt sich die Angst vor einem Terroranschlag ein. Auch die Medien zeigen nur die Konflikte. So trennt sich schnell die Welt in Gut und Böse. Aber die Realität ist anders. Wer sich traut, den anderen zu verstehen, hat schon angefangen die Welt ein Stück besser zu machen.

„Sie und wir.
Wir und sie…
Jede Seite bewaffnet mit ihren historischen und moralischen Ansprüchen,
machen unser gemeinsames Paradies
zur existentiellen Hölle…“

Eytan Shouker, Tel Aviv, Urheber des Pen-Pal Projektes

Dieses Projekt ist nur ein kleiner Tropfen auf einen heißen Stein und es wird alleine niemals die Kraft haben, die Politik zu ändern. Aber es zeigt, was notwendig ist: Brücken zu bauen über Grenzen und Vorurteile hinweg. Es ist ein kleiner Beitrag für mehr Toleranz und Verständnis zwischen den Menschen.

Das “Pen-Pal Projekt” wurde im Rahmen einer Sonderausstellung des Jüdischen Museums Berlin vorgestellt. Hier können auch Kataloge zu dieser Ausstelung bestellt werden.

Erstellt am Sonntag 23. März 2008
Unter: Global, Kultur | 2 Kommentare »